Dienstag, 25. September 2007

So viele Fragen …

"Oh HERR, schmeiss Hirn rah!"


Bei Fotografinnen und Fotografen in anderen Ecken der Welt sind die Themen Megapixel- und Kamera-Hype schon lange in der Diskussion.

Den jeweiligen Volkscharaktere (gibt es so etwas?) entsprechend werden diese Themen in Blogs engagiert debattiert.

In den Foren der einschlägigen Websites (auch deutscher) geht es dagegen leider nur zu oft und ausschließlich darum: wer hat die schönste, größte, schnellste, schärfste, beste - und nicht zu vergessen rauschärmste Kamera?

Weil mir die lebhaften Debatten vor allem auf amerikanischen Blogs sehr gefallen, hier ein paar Fragen:


  • Warum ist es so einfach, sich über technische Aspekte wie Rauschen, Auflösung, Schärfe, Dynamikumfang auseinanderzusetzen, aber so schwer über Bilder zu reden?
  • Fällt es uns deshalb so leicht, über Kameras und Objektive zu sprechen, weil wir eine Sprache benutzen können, die uns geläufig ist?
  • Fällt es uns deshalb so schwer über Bilder zu reden, weil wir eine Sprache benutzen müssten, die uns nicht geläufig ist?
  • Warum fällt es uns so schwer , unsere Bilder der Diskussion zu stellen,? Haben wir Angst, zuviel von uns vorzuzeigen, zuviel über uns zu verraten?
  • Warum schieben wir die Technik vor das Bild? Schützt uns das vor der Auseinandersetzung mit den Bildern?

… so wenig Antworten!


als Nachtrag ein lesenswerter Kommentar von Uli Eberhardt:
Diesen Fragen begegne ich immer wieder. Ich habe noch den spontanen Satz des Referenten eines Fotokurses im Ohr: "Jetzt wird's schwerer, jetzt sprechen wir über die Bilder." Zuvor war ausführlich die Technik diskutiert worden.
Vielleicht zwei diskussionswürdige Hinweise:
1) Wir lernen das nicht – begründet über Kunst zu sprechen. Der Kunstunterricht ist marginal und wenig bleibt hängen. Wir haben keine Bildung in dieser Hinsicht. Dafür umso mehr in mathematisch-technischer-naturwissenschaftlicher Hinsicht. Deshalb reden wir lieber über Technik und die Begeisterung dafür kommt dazu.
Aber es gibt auch ein Handwerk für Kunstbetrachtung (aber nicht nur den Mante). Fehlendes Handwerk erklärt andererseits auch das neblige Geschwurbel in vielen Kunstkritiken, wie sie mitunter in den Zeitungen erscheinen.
2) Wir fürchten, dem anderen, dem Künstler, zu nahe zu treten, weil das Bild sein oder ihr persönlicher Ausdruck ist. Besonders, wenn wir das Bild nicht gut finden. Und das wegen eines unbestimmten Gefühls, wenn uns das Handwerk der Beurteilung fehlt. Einerseits mangelt es hier an – fachlich begründeter – Konfliktfähigkeit. Zu sagen: "das ist Mist" ist genauso unreflektiert wie andererseits eine beleidigte Reaktion der Autoren auf (berechtigte, begründete) Kritik. Auch ein Schreinerlehrling, der ein Stück Holz versägt hat und dafür zurechtgewiesen wird, reagiert falsch, wenn er einschnappt. Erfahrungen sammeln, lernen – das ist die richtige Reaktion.

Kommentare:

  1. Wenn ich auf die Fragen antworten würde, wäre ich vielleicht als Misantroph geoutet... ^^

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  2. … der Misanthrop hält das Streben nach menschlichen Idealen für abwegig…

    Jörg,
    ich kann Dich gut verstehen - aber …

    … es gibt auch genug Beispiele, dass sich Diskussionen entwickeln, sehr lehrreich, anregend und für den Einzelnen sehr wichtig, um sich zu verorten.
    Wo stehen andere, wo stehe ich?
    Nur wer fragt, bekommt auch eine Antwort.
    Nur wer sucht, findet.

    Das ist mein Beweggrund für den Blog.

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  3. Diesen Fragen begegne ich immer wieder. Ich habe noch den spontanen Satz des Referenten eines Fotokurses im Ohr: "Jetzt wird's schwerer, jetzt sprechen wir über die Bilder." Zuvor war ausführlich die Technik diskutiert worden.
    Vielleicht zwei diskussionswürdige Hinweise:
    1) Wir lernen das nicht – begründet über Kunst zu sprechen. Der Kunstunterricht ist marginal und wenig bleibt hängen. Wir haben keine Bildung in dieser HInsicht. Dafür umso mehr in mathematisch-technischer-naturwissenschaftlicher Hinsicht. Deshalb reden wir lieber über Technik und die Begeisterung dafür kommt dazu.
    Aber es gibt auch ein Handwerk für Kunstbetrachtung (aber nicht nur den Mante). Fehlendes Handwerk erklärt andererseits auch das neblige Geschwurbel in vielen Kunstkritiken, wie sie mitunter in den Zeitungen erscheinen.
    2) Wir fürchten, dem anderen, dem Künstler, zu nahe zu treten, weil das Bild sein oder ihr persönlicher Ausdruck ist. Besonders, wenn wir das Bild nicht gut finden. Und das wegen eines unbestimmten Gefühls, wenn uns das Handwerk der Beurteilung fehlt. Einerseits mangelt es hier an – fachlich begründeter – Konfliktfähigkeit. Zu sagen: "das ist Mist" ist genauso unreflektiert wie andererseits eine beleidigte Reaktion der Autoren auf (berechtigte, begründete) Kritik. Auch ein Schreinerlehrling, der ein Stück Holz versägt hat und dafür zurechtgewiesen wird, reagiert falsch, wenn er einschnappt. Erfahrungen sammeln, lernen – das ist die richtige Reaktion. bye --> Uli

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