Freitag, 7. September 2007

Kleine Anekdote …

… aus einer Zeit vor der Digitalen Götterdämmerung
oder
Wie Spiegel und Stern die Wahrheit über Glasnost verfälschten


Am 14.06.1989 besucht der russische Präsident Michail Gorbatschow Stuttgart.
Der Gast aus Moskau will das Musterländle und den Baden-Württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth* besuchen.
Zehntausende säumen die Straßen in Stuttgart, stehen auf den Plätzen.


Für uns Fotografen gab es das übliche Programm: Fotopool am Flughafen, am Neuen Schloß, in der Universität.

Am Nachmittag besuchte seine Frau Raissa Gorbatschowa eine schwäbische Vorzeige-Familie in Stuttgart-Gaisburg. Mit dabei der gesamte Pressetross.

Was Gorbatschow wohl während dieser Zeit machte?

Er machte auch einen Besuch!
Aber einen, der weder seinen Gastgebern, noch der Presse politisch genehm war.
Und hier war auch nur ein einziger Pressevertreter zugelassen - ich!

Während der russische Staatsbesuch in der Bundesrepublik offiziell als Annäherung an den Westen gedeutet wurde, suchte “Gorbi” heimlich eine Keimzelle des Sozialismus im deutschen Musterländle auf.

Eine konspirative Wohngemeinschaft, die sich in Stuttgart-Heslach eingenistet hatte.
In Sichtweite des Alten Schützenhauses, in dem 1907 der Internationale Sozialistenkongress stattfand.
August Bebel, Rosa Luxemburg, Clara Zetkin,
Jean Jaurès - alle waren sie damals dabei.

Während der Gespräche über die Zukunft des Sozialismus in Deutschland, wurde “Gorbi” durstig und bekam ein Glas selbstgemachten Most angeboten.


Obwohl der Most so sauer war, dass “Gorbi” anfänglich den Mund verzog, war er von diesem Getränk so begeistert. dass er danach bei jeder sich bietenden Gelegenheit von dem guten "Glas Most" schwärmte.

Niemand konnte oder wollte (?) ihn verstehen!
Ein findiger Spiegel-Journalist deutet seine Worte- Glas Most - in “Glasnost” um, einem Begriff, der wegen seiner Bedeutung (die offene und umfassende Information über gesellschaftlich bedeutsame Aktivitäten und die Möglichkeit ihrer freien und eingehenden Erörterung) dem Westen zu dieser Zeit sehr gelegen kam.

Das einzige Bilddokument dieses Besuches in der Heslacher WG wurde nie veröffentlicht!

Aber das Gesicht Gorbatschows (der erste Schluck Most!) wurde immer wieder aus meinem Foto herauskopiert und häufig- hier ein Beispiel vom Stern - in Bildmontagen eingesetzt.





* Solms hat angerufen und sich über die erste LEICA-Anekdote mokiert.
Ob ich nicht auch eine Geschichte auf Lager hätte, in der die M6 besser wegkommt?
Hab ich! Mit Lothar Späth!
Comming soon!

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