Mittwoch, 14. November 2007

Picksel-Pieper's Sterndeutereien - 2. Teil

Woher kommen wir, wo stehen wir, wohin geht die Reise - das sind die Grundfragen unseres kleinen Lebens.


Die ersten zwei Fragen habe ich bereits auf das Tiefschürfenste und hoffentlich auch erfüllend beantwortet.

Wohin geht aber die Reise?
Das ist mit Sicherheit die schwierigere Frage.

"The mega-pixel race is pretty over." sagt Chuck Westfall, Director of media and consumer relations bei Canon.

Was mich angeht, hat sich die Frage nach "mehr Pixel" schon lange erledigt.
Die theoretisch erreichbaren Auflösungen der Sensoren (8 bis 12 MP) werden weder durch die meisten der gebräuchlichen Optiken noch in der journalistischen Fotopraxis erreicht.
Und die Verarbeitung und das Versenden großer Datensätze ist heute schon material- und zeitaufwändig genug.

Es wird seinen Grund haben, warum Canon heute bereits (in der 40D) ein "kleines" RAW-Format anbietet.

Die gedruckten Ergebnisse lassen in den seltensten Fällen Rückschlüsse auf Sensorauflösung oder Datenformat (RAW vs. JPEG) zu.
Und außerdem fragt jeder anständige RAW-Konverter heute schon: wie groß hätten sie's denn gerne?

Wenn also der Wettbewerb um immer mehr Pixel obsolet wird, auf welchem Schlachtfeld wird dann der Kampf um die Kunden der Zukunft geschlagen?

Einiges kann man jetzt schon absehen.

Olympus wird mit der E-3 eine DSLR auf den Markt bringen, bei der "Live-View" wirklich Sinn macht.
Ein dreh- und schwenkbarer Monitor erlaubt kontrollierte Aufnahmen von Boden- bis Über-Kopf-Höhe. Mal sehen, ob es dazu auch einen vernünftigen "Live-View"-Autofokus gibt.

Besseres Rauschverhalten bei hohen Empfindlichkeiten, größerer Dynamikumfang, auch das sind noch Baustellen, an denen aber bereits gearbeitet wird.

Mittelfristig kann es aber richtig spannend werden!

Vielleicht wird sich dann auch die Frage nach Vollformat, APS oder Four/Thirds-Sensor erledigen.

Denn modulare Kameras mit austauschbaren Sensoren sind bereits in Planung!

Neue Bajonette werde alle Objektive von Vollformat über APS bis hin zu Four/Thirds aufnehmen.

Sensoren werden austauschbar sein wie früher Filme:
20MP Vollformat-Sensoren für das Studio gegen monochrome 6MP-Sensoren mit Anfangsempfindlichkeiten von mehrere tausend ISO für Available-Light-Fotografie.
APS-Sensoren für schnellste Bildfolgen in der Sportfotografie, Four/Thirds-Sensoren für kleine aber lichtstarke Objektive wie z. B. heute schon das Zuiko 2.0/35-150mm (eqiv. 70-200mm).

Es wird neue effektivere Sensoren ohne Bayer-Pattern geben, etc.pp. …

Die Sucher werden (wieder!) austauschbar sein, je nach Anforderung optische oder elektronische Sucher-Systeme.

Die ansetzbaren Kamerahandgriffe werden nicht nur WiFi, sondern auch zusätzliche Prozessoren enthalten, die u. a. die Bildfolgen der Kamera beschleunigen und bereits in der Kamera optische Fehler der angesetzten Linse wie Vignettierung, Verzeichnung, Kontrast- und Schärfeverlust durch vagabundierendes Licht etc. herausrechnen.

Die In-Kamera-Verarbeitung der Bilddaten wird vollständig benutzerkonfigurierbar sein,
so dass die Bilder keine qualitätsverbessernde Nachbearbeitung mehr brauchen.

Und wir werden immer häufiger bestätigt sehen: "Soft beats Hard".

Den größten Anteil am endgültigen Bild wird immer eine Software haben, die alle denk- und undenkbaren Parameter integrieren wird, um uns eine rattenscharfe, absolut farbtreue und hochauflösende Kopie dessen zu bescheren, was es uns wert war, auf den Auslöser zu drücken.

Und wenn wir uns das Bild dann anschauen, werden wir das wissen, was wir heute wissen und schon immer gewußt haben und was ein großer Dichter und Fotograf so treffend formuliert hat:

Fotos knipsen ist nicht schwer
Photographieren jedoch sehr

Dort die, die mit Entzücken auf ein Mäusekino blicken
mit weit ausgestreckten Armen - zum Erbarmen.

Hier wir, die mit krummem Rücken
Taschen schleppen, Bodies drücken
teure Linsen an den Armen - zum Erbarmen.

Klick macht's bei allen zum guten Schluß!
Hoffentlich ein guter Schuß?

Ein Foto wird dann ausgewählt
Alles scharf - Motiv verfehlt!



In einer weiteren Folge (und wenn ich vielleicht mal Antworten von Olympus bekomme?): Das "Leica-Paradoxon", oder sind Four/Thirds die "Barnack-Kameras" der Zukunft?

Kommentare:

  1. ***Wenn Sie in einer klaren, dunklen Nacht zum funkelnden Sternenhimmel aufblicken, können Sie rund 3.000 bis 5.000 Sterne am Himmel erblicken.***
    ...dafuer muesste dann auch eine 6MP kamera reichen... ;-)
    (6mpixel.org)

    lieber martin,
    danke fuer die GUTEN sterndeutereien-beitraege.
    ueber diese problematik mache ich mir auch schon lange gedanken.

    ***...Ein Foto wird dann ausgewählt
    Alles scharf - Motiv verfehlt!***
    ... die kernaussage... klasse - hut ab vor dem grossen, mir grad unbekannten dichter und fotografen...


    ***6MP-Sensoren mit Anfangsempfindlichkeiten von mehrere tausend ISO für Available-Light-Fotografie.***
    ...anfangsempfindlichkeiten!...dann koennte ich endlich mal wieder GUTE jazzfotos machen, wie mein amerikanischer freund mit seiner film-leica... - seit dem beim JazzFest Berlin kaum noch das fernsehen vor ort ist, sieht man fast gar nix mehr auf der buehne... mittlerweile mache ich manche soundcheckfotos schon mir stativ... ;-)

    ***Den größten Anteil am endgültigen Bild wird immer eine Software haben, die alle denk- und undenkbaren Parameter integrieren wird, um uns eine rattenscharfe, absolut farbtreue und hochauflösende Kopie dessen zu bescheren, was es uns wert war, auf den Auslöser zu drücken.***
    ...nun, da bin ich zwiegespalten, ich will eigentlich keine software-beeinflussten und veraenderten bilder... und eine rattenscharfe kopie dessen was ich sehe, will ich schon gar nicht, denn das waere ja dann eher das abbild und nicht das foto... den groessten anteil am bild will immer noch ich mit meinen sinnen haben!!!


    ...eigentlich will ich nur die Sigma DP1 mit Sucher VF11 und freien zugang zu allen menschen, die sich von mir fotografieren lassen wollen...
    (sigma-dp1.com)

    aber sonst ist alles o.k.!
    DET

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  2. KNIPSEN - Jeder kann knipsen. Auch ein Automat. Aber nicht jeder kann beobachten. Photographieren ist nur insofern Kunst als sich seiner die Kunst des Beobachtens bedient. Beobachten ist ein elementar dichterischer Vorgang. Auch die Wirklichkeit muss geformt werden, will man sie zum Sprechen bringen. - Meint: Friedrich Duerrenmatt - DET

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