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Samstag, 25. April 2009

A propos… Straight Photography

Straight photography … "is part of a form of curiosity about the world and how it appears via the process of photography, that can appear in a wide range of forms."

Straight photography… "ist ein Teil einer Neugier auf die Welt und wie sie uns erscheint über den Prozess der Fotografie, der sich in vielfältigen Formen ausdrücken kann."


Das Zitat stammt von Robert Hirsch, amerikanischer Fotograf und Autor.

Mir kommt seine Feststellung nicht ungelegen, weil ich den Eindruck habe, dass unter "straight" oder "pure photography" heute oft verstanden wird: Fotografie, wie sie direkt und unbearbeitet aus der Kamera kommt.

Tatsächlich fühlt sich die "reine Fotografie" dem sachlichem Blick, der Wirklichkeit verpflichtet.
"Straight photography" ist in einer Zeit entstanden, als fast ausschließlich mit großformatigen Kameras gearbeitet wurde und Prints häufig direkte Kontakte der großformatigen Negative waren.
"Pure photography" manipuliert nicht durch Bewegen der Kamera oder absichtlicher Unschärfe, legt keine Mattpapiere zwischen Negativ und Positiv um abstrakte, künstlerische Wirkungen zu erzielen.
Ebenso verpönt ist das Nacharbeiten, das Übermalen der Positive mit Retuschefarben.

Aber sie hat sich selbstverständlich gestattet, die Wirklichkeit mit fotografischen Mitteln zu interpretieren.

Ich finde es gerade im "digitalen Zeitalter" wichtig festzuhalten, dass Photoshop, so wenig wie die klassischen Dunkelkammertechniken wie Beschneiden, "dogde and burn" etc., nicht automatisch den Abschied von der "reinen Fotografie" bedeutet, aber je nach Anwendung* natürlich sehr wohl bedeuten kann.

*wer Lust hat kann die Diskussion nachverfolgen

Freitag, 26. September 2008

Im Vorübergehen / En passant / Passing by - Edward Weston



Edward Weston schreibt an Ansel Adams:
"Fotografie muss Extrasehen sein; bloßes Sehen würde die Wiederholung von Tatsachen bedeuten - der Illustrator von Katalogen macht das.
Aber Fotografie ist durchaus nicht Sehen in dem Sinne, dass die Augen sehen.

Unser Gesichtssinn, das Sehen mit beiden Augen, befindet sich in einem ununterbrochenen Zustand der Veränderung, während die Kamera einen einzigen isolierten Augenblickszustand für immer und ewig (wenn die verdammten Abzüge nicht verblassen!) einfängt und festhält.

Wir benutzen dazu noch Linsen mit verschiedenen Brennweiten, um das Sehen absichtlich hervorzuheben und "korrigieren" oftmals aus demselben Grund die Tönungen übertrieben. Beim Kopieren treiben wir unsere vorsätzliche Tatsachenverdrehung noch weiter, indem wir kontrastreiches Papier benutzen, das ganz unterschiedliche Resultate von der Ansicht oder dem Gegenstand, wie er in natura war, ergibt.

Wir müssen uns einig werden, dass dies ein ganz legitimes Vorgehen ist; es ist nicht im buchstäblichen Sinne "Sehen", es geschieht aus gutem Grund, mit schöpferischer Fantasie."
EDWARD WESTON, 1908-1958


Edward Weston berührt in diesem kleinen Briefauszug zwei wichtige Aspekte der Fotografie: den des "natürlichen" menschlichen Sehens und den der kreativen Interpretation des Gesehenen.

Weston gehört - wie Adams - zu den Vertretern der "pure photography", auch "straight photography", die in Europa ihre Entsprechung in der "Neuen Sachlichkeit" fand.

Trotzdem - oder eben deshalb? - unterscheidet er deutlich zwischen "Sehen" und "Wiedergeben".

Interpretation, schöpferische Fantasie steht für ihn offensichtlich in keinem Wiederspruch zur "straight photography", die vielleicht wegen des Wortes "straight" oder "pure" oft missverstanden wird als eine Richtung in der Fotografie, die verlangt, das Bild unverändert so zu belassen, wie es aus der Kamera kommt.

Wer an Edward Weston denkt, denkt vielleicht an seine "nudes", an die Landschaften von Point Lobos, aber auch an Muscheln, Seetang - und Paprika.

Aber an ein WC?


Edward Weston, Excusado, 1925
"Ich fotografiere gerade unsere Toilette, dieses glänzende, porzellanene Gefäß von außerordentlicher Schönheit.
Man mag meinen, dass ich in einer zynischen Stimmung bin, wenn ich ein solches Sujet wähle, […].
Ich war aufs äußerste erregt! - hier stand jede Kurve der "göttlichen Form des Menschen" sinnlich vor mir, abzüglich aller Fehler. […]
Es bleibt ein Problem. […] Der hölzerne Deckel erscheint am oberen Rand gerade noch, […]
Auf eine so einfache Abhilfe wie den Deckel abzuschrauben kam ich nicht.
Als Entschuldigung kann ich nur anführen, dass ich alle diese [4] Negative unter gr0ßem Zeitdruck gemacht habe, jeden Moment fürchtend, jemand könne einem natürlichen Bedürfnis folgend die Toilette zu anderen Zwecken als den meinen benutzen."
EDWARD WESTON, Tagebucheintragungen 1924-1932



nicht verpassen!

Edward Weston auf ARTE: Sonntag, 28. September, 20:15 bis 20:45



Wer ein Buch - oder etwas anderes - über einen der Amazon-Links auf der Seite kauft, verschafft dem Public Eye Blog eine kleine Provision bzw. es werden die Mühen des Blogautors mit einem kleinen Espresso belohnt ;-)

Donnerstag, 6. September 2007

1 Jahr "Working Pictures"

Store Window, Elmira, New York, © Carl Weese



Carl Weese, Großformatfotograf und Fine-Art-Printer, macht seit dem 6. September 2006 einen Blog mit Fotos aus der Kleinbild -DSLR (einer Pentax K10D mit Pancake-Optik).
Es ist ein Tagebuch des Gesehenen. Es ist straight-photography.
Wer nicht nur auf das Einzelbild schaut, sondern Interesse an der Kontinuität hat, dem erschließt sich auch Carl's ganz spezielle Art der Fotografie.


One Year “Working Pictures”!

Congratulations, Carl, and thanks for a great and “straight” photo-blog.

Here some quotes from comments to your blog, which speeks for themselves:

“Sometimes the photograph--the print in hand, the photographic image in the mind's eye--semms more real to me than the world itself.”

“That is a strange image. The more I look at the more confused I get.”

“Indeed an attention-grabbing images from two worlds apart in time and in space: one shows no sign of a modern world but one can feel and see the light that cast the shadows life and people living assemble, and the other two, shows in vivid colours: signs of a modern and boring mechanized urban planning and a sanitized living environment and the solitude of modern life.”

“Sorry but it does not appeal to me. It looks rather like vacation snapshots.”

“I used to go crazy waiting for everything to appear absolutely still in a composition. Then I realized, as you did, that some movement, blur, in a photograph can increase its visual interest.”

“Capturing time by capturing moving parts of life brings something like the 4th dimension into the wonderful medium of photography - something no other art medium can realize ....?”

“Ahhh... neat. Thanks, Carl! I'm looking forward to more of your work here to sink my photographic teeth into. How is it that the best photographers can take such interesting pictures of the most boring things in our lives?!?”

And this is Carl's answer, short and dry (is this english?):
“Always delighted to be a bad influence!”

Keep it up, Carl!

Samstag, 21. Juli 2007

Um beim Thema zu bleiben…

Bald nach der Erfindung der Fotografie gründeten sich zahlreiche Fotografische Gesellschaften in allen Herren Länder.

Und damit beginnt auch eine Diskussion, die nicht nur die nächsten Jahrzehnte dominiert, sondern auch heute, nach dem Aufkommen des Digitalen Zeitalters, wieder an Bedeutung gewonnen hat:

Fotografie - Zweck oder Mittel, das Problem der Manipulation und das Problem von Schärfe (pixel peeper!) und Unschärfe (Fotoimpressionisten!).

Spannend, dass die Vetreter der straight photographie (der reinen Fotografie) wie Ansel Adams, Albert Renger-Patsch, Alfred Stieglitz, Paul Strand, Edward Weston u. a. bereits ihre Vorläufer in der Mitte des 19. Jahrhunderts hatten.

So sagt William John Newton auf einer Sitzung der "Photographic Society of London" (er spricht offensichtlich gegen die frühen Vertreter der straight photographie):

"Dabei halte ich es nicht für wünschenswert, dass der Künstler [Fotograf] die Wiedergabe winzigster Details anstrebt. […] Ich tue das um so entschiedener, als in diesem Raum vor kurzem festgestellt wurde, dass Fotografie immer so bleiben soll, wie sie die Kamera hervorgebracht hat, und dass kein Versuch unternommen werden darf, sie mit dem Mitteln der Kunst zu verbessern. Damit stimme ich ganz und gar nicht überein, […]."


Ca. 20 Jahre später, mitten in einer Epoche der ausufernden Retusche, der künstlichen Hintergründe, der technischen Tricks, der Komposit-Fotografie, schreibt W. Neilson in den "Kunstkritischen Stichworten":
"Die Fotografie muss […] ihren eigenen Gesetzen gehorchen. […] Die Fotografie, die so verschieden von den anderen Darstellungsmitteln (der bildenden Kunst) ist, sollte sich selbst treu sein […].

Er argumentiert dann gegen das Retuschieren und endet mit einem schönen Satz und einer sehr realistischen Erkenntnis:
"Die vom Gefallen leben, müssen gefallen, um zu leben."

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen?

Und damit wird es Zeit für neue Themen!

Freitag, 27. Juli 2007

Normalbrennweite=Universalbrennweite?

Heute habe ich für die Bebilderung eines Flyers Portraitaufnahmen gemacht, und mich dafür entschieden, dafür ausschließlich ein 50mm Objektiv zu benutzen.

Das Ergebnis hat mich bestätigt: die Aufnahmen wirken - auch aufgrund des geringeren Abstands - sehr intim, ohne dass perspektivische Probleme oder Verzeichnungen auftreten.

Über die optischen Qualitäten von Festbrennweiten will ich jetzt nicht spekulieren. Licht, Entwicklung und Bearbeiten der Dateien spielen ja ebenfalls eine große Rolle.

Und zufällig greift CARL WEESE heute in einem Artikel in The Online Photographer wieder ein Thema auf, das bereits vor einiger Zeit durch MIKE JOHNSTON u. a. diskutiert wurde: Die Rückkehr der 50er.

In Carl's Blog finden sich seit einiger Zeit ausschließlich Fotos, die mit einer "Normalbrennweite" fotografiert wurden.
Außerdem sind die Fotos - wie ich finde - ein Beispiel für "straight photography", wie man sie heute nicht mehr oft sieht.

Interessant auch zwei Beispielfotos, die die von Mike beschriebene "Chamelion-Eigenschaften" der Normalbrennweiten illustrieren.

Es ist absolut lohnend, sich einmal mehr mit der in der Zeit der Superzooms "vergessenen Brennweite" auseinanderzusetzen.

Also bitte etwas Lesezeit einplanen!

(Die vielen Links führen interessierte Leser zu weiteren Verzweigungen!)


Update!
Ein Argument gegen Zooms

Sonntag, 4. November 2007

Foto-Impressionist?

Ein Thema, das zur selben Stunde wie die Fotografie geboren wurde: der Streit um Kunst, Handwerk und maschineller Reproduktion des Vorhandenen.

Ein Thema, das mich schon länger umtreibt und durch die Auseinandersetzung mit Carl Weese's "Working Pictures" immer wieder aufbricht:
Detail vs. Summe, naturgetreue Abbildung vs. generelle Wirkung, Identität vs. Ähnlichkeit,
Realismus vs. Symbolismus, pure (straight) photography vs. pictoralism.
Und letztendlich auch die Frage, ob der (An)Schein tatsächlich ein Betrug an der Wirklichkeit ist?


Canon EOS 5D mit EF 4/24-105mm - so fotografiert …

… aber so gesehen!



Die Foto-Impressionisten …
Sie fotografieren in einer skizzenhaften Art, die es ermöglicht, die Essenz des Objektes, und nicht Details, hervorzuheben

Sie entdeckten und betonten neue Aspekte der Wirkungsweise des natürlichen Lichts, vor allem die Reflexion des Lichtes und die Spektralfarben

Sie fotografieren meistens pleinairistisch, d.h. unter freiem Himmel

Ihre Bilder wirken oft ausschnitthaft. Damit soll nicht das gemalte Objekt als Ganzes, sondern die Wirkung des Lichts auf ihm betont werden. Darüber hinaus verleiht das dem Bild einen spontanen, flüchtigen Charakter

Bildtiefe entsteht durch Größenstaffelung, Farb- und Luftperspektive

Die Farbe wird zum primären Gestaltungsmittel, grafische Elemente traten in den Hintergrund

Sie fotografieren, ohne sich traditionellen Regeln oder Inhalten verpflichtet zu fühlen.


Canon EOS 20D mit Zuiko 2/24mm - so fotografiert …
… aber so gesehen!




Wer ist Foto-Impressionist?

Sonntag, 2. Dezember 2007

Projekt "Sprache der Wand" - ein Nachtrag

Im Nachhinein noch ein Vorschlag zum Projekt:

  • flanieren gehen mit ganz einfacher Kamera (Festbrennweite?)
  • spricht ein gesehenes "Motiv" zu mir?
  • Licht? (erste Entscheidung für Farbe oder Schwarzweiss)
  • Motiv isolieren oder in ein Umfeld stellen?
  • Auswahl: spricht das Bild immer noch zu mir? wo ist sein Potenzial? muss ich nochmal hin?
  • bearbeiten oder "straight" aus der Kamera?
  • Format: hoch/quer/quadratisch
  • Farbe oder S/W?
Abschicken!


Hauswand in der Stuttgarter Reinsburgstrasse

Bei Brassaï würde so ein Motiv unter die Überschrift: "Die Wand als Anregerin" fallen.
"Irgend ein Bild entziffern, herausschälen aus verworrenen unbestimmten Andeutungen."

Serge Poliakoff sagt dazu: "Gemälde an der Wand - gut; aber aufgepasst, dass die Wand selbst nicht schöner ist…!"

Donnerstag, 28. Februar 2008

Straight photography?

Canon 1D MK II, EF 1.8/28mm, Bl. 8, 1/500 sec., 320 ISO, JPG small
Einstellung an der Kamera: JPG small, Schärfe 0, Kontrast -2



Es sollte nur ein Test mit der Unendlichkeitseinstellung der Optik werden.

Dann wollte ich aber doch sehen, wie sehr das Bild optimierbar ist, ohne die Datei zu beschädigen, Tonwertabrisse oder sichtbare Artefakte zu produzieren.

Man sieht sogar noch in der Web-Auflösung (die Bilder haben 800 px an der langen Kante), was für ein erstaunliches Potenzial in einem kleinen JPG steckt.

Das Bild wurde mit "CaptureSharpener" nachgeschärft, eine Tonwertkorrektur vorgenommen, der "lokale Kontrast" angehoben.

An der optimierten Bilddatei sind gegenüber der Originaldatei keine destruktiven Veränderungen zu erkennen.

Farbkorrekturen (JPG!) habe ich keine vorgenommen.
Das Histogramm bleibt "im Rahmen".




Aber wahrscheinlich liegt die Wahrheit - wie so oft - aber eher in der Mitte?

Samstag, 27. Oktober 2007

Schwarz! Rot! Gold! - Die Herausforderung!

Does every photographer need a project? fragte ich Magnum-Fotografen Martin Parr auf den "Rencontres" in Arles.

Sein Antwort, wie kann es anders sein: Yes!

Eine immer wieder fortgesetzte Serie von "Stars & Stripes"-Fotos in Carl Weese's Working Pictures hat mich auf die Idee gebracht: warum nicht ein Schwarz-Rot-Gold-Projekt?

Aber kein Projekt für mich, sondern ein Projekt für alle, die den Blog besuchen und Lust haben, mal was gemeinsames auszuprobieren.

Den Anfang mache ich heute mit zwei Fotos, beim samstäglichen Flanieren enstanden.

Eure Fotos bitte an thepubliceyeblogATgmail.com - und zwar subito!
Die Fotos werden natürlich mit Copyright-Angabe und - wenn gewünscht - Verlinkung veröffentlicht.

Ich bin gespannt wie ein Flitzbogen und freue mich auf eine Bilderflut!

P.S.: selbstverständlich ist jede! Flagge willkommen.



beide Fotos: Canon EOS 20D, EF 1.8/28mm, fotografiert mit GRÜN, JPEG "straight" aus der Kamera



Wie dichtet Ernst Jandl so hintergründig:

the flag

a fleck
on the flag
let’s putzen

a riss
in the flag
let's nähen
where's the nadel

now
that's getan
let's throw it
werfen


into a dreck


that’s
a zweck