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Dienstag, 11. April 2023

Gestern Film+Entwickler – heute Sensor+Software

fotografiert Henri Cartier-Bresson?

Die Fotografie hat im Laufe ihrer Geschichte eine beeindruckende technische Entwicklung durchgemacht, die die Art und Weise, wie wir die Welt um uns herum festhalten und darstellen, revolutioniert hat. In den Anfängen der Fotografie, war es neben der Optik die Neuerungen bei Filmemulsionen und der Entwicklerchemie, die die Bildqualität voran brachten. So war es möglich, über Jahrzehnte mit einer analogen Kamera uptodate zu sein, es waren ja die Filme und die Chemie, die immer besser wurden.

Seit ungefähr den "Nullerjahren" hat sich das gründlich geändert, übernehmen Sensortechnik und Software diese Rolle. Diese technischen Veränderungen haben die Fotografie in vielerlei Hinsicht transformiert und neue kreative Möglichkeiten geschaffen. Allerdings zu einem hohen Preis: nicht der Film muß gewechselt werden, es ist jetzt die Kamera, die (alle 4 Jahre?) neu gekauft werden muss, die Software braucht regelmäßige updates und das wiederum leistungsfähigere Computer.

 Die softwarebasierten, z.T. schon mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Bildbearbeitungsprogramme ermöglichen es Fotograf:innen, Bilder nach der Aufnahme zu verbessern, zu bearbeiten und zu optimieren und künstlerische Effekte und Stile zu kreieren, die zuvor in der Dunkelkammer so einfach und in diesem Ausmaß nicht möglich waren. 

Und da liegen auch die Risiken, die nicht zu unterschätzen sind. Es mag harmlos erscheinen, einen eintönigen Himmel gegen einen belebten auszutauschen oder ein störendes Objekt zu entfernen. Aber aus gutem Grund ist das ein No-Go im seriösen Fotojournalismus. Wenn ein Bild seine Authentizität verliert, verliert es seinen Wert als Dokument. Agenturfotograf:innen, die einen Bildinhalt auch nur geringfügig verändern, gehen ein hohes Risiko ein. Meist von fotografierenden Kolleg:innen umgeben, wird eine Manipulation schnell augenscheinlich, der Urheber entlassen.

Allerdings bietet die aktuelle Software Möglichkeiten, die auch ich gerne nutze: RAW-Dateien, z. T. 20 Jahre alt und nur 3, 6 oder 8 Megapixel groß, gewinnen durch Programme wie z. B. DxO DeepPrime, Radiant, topaz DeNoise AI/ON1 NoNoise oder auch sog. Resize-Programme enorm an Qualität und lassen sich auch heute noch gut vermarkten.

Trotz all dieser technischen Veränderungen in der Fotografie sollten es wir hinter der Kamera sein, die mit Komposition, Lichtführung, Kreativität und dem richtigen Moment eine gute und authentische Fotografie schaffen.


Siehe auch hier!

Dienstag, 18. Mai 2010

Kitchen Stories

Panasonic GF 1 mit Lumix 1.7/20mm, Bl. 1.7, 1/60 sec., 100 ISO,
entwickelt in ACR6, leichte lokale Kontrastanhebung in CS5

Kitchen Stories: wer hat sich bei diesem norwegischen Film nicht aufs Köstlichste amüsiert?

Manchmal komme ich mir auch vor wie ein Beobachter, der mit Hochsitz und Notizblock ausgestattet, in der Küche des Probanden platznimmt, um mit den Aufzeichnungen beginnen zu können…

Freitag, 16. April 2010

Do Not Crop! - Talking about the Eye of the Century

Anlässlich der großen Henri-Cartier-Bresson-Retrospektive im Museum of Modern Art MoMa:
Charlie Rose spricht mit Martine Franck, Fotografien und Witwe von Cartier-Bresson, dem Direktor der Fotoabteilung im MoMa, Peter Galassi und mit Agnes Sire, der Direktorin der Henri-Cartier-Bresson-Foundation.
Sie sprechen über HCB, aber auch über einige ausgewählte Fotos von ihm.

Ein Gedanke ist bei mir hängen geblieben: die Fähigkeit [des Fotografen] die radikale Übertragung eines Augenblicks in eine neue Deutung vorauszusehen.

Es gibt in der Fotografie (auch in der RAW-Datei!) keine Wahrheit, aber viele Wahrheiten.

Ein Thema für eine große Diskussion?


Haben Sie Interesse am Katalog zur HCB-Retrospektive?
Wenn Sie über einen der Amazon-Links hier auf der Seite einkaufen, bekommt TPE eine kleine Provision und bedankt sich.
Der Preis für Sie bleibt unverändert
!


Dienstag, 16. Februar 2010

Gray Mood

GF1 mit Makro-Elmarit 2.8/45mm


Wie sagte Henri Cartier-Bresson so schön:
"Emotion finde ich nur im Schwarzweiß."
Hat er recht?

Diese Bild hat vielleicht Emotion, gibt aber NICHT meine Stimmung wieder.
Ein Spiel mit Tonwerten, mit Schwarz und Weiß und Grau.

Könnte dazu passen?
Oder womöglich ein Abschied vom Winter?

Freuen wir uns zu früh?
Schaun mer mal …

Freitag, 13. März 2009

Im Vorübergehen / En passant / Passing by - "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit"

© Ted Grant
"When you photograph people in colour you photograph their clothes. But when you photograph people in B&W, you photograph their souls!"
TED GRANT

Wenn wir das Verschwinden der S/W-Fotografie in unserer Zeit bedauernd sehen, ist es um so erstaunlicher, wie viele der Magnum-Projekte trotzdem auch heute noch in S/W präsentiert werden.
Den "Blick ins Wesentliche", den Ted Grant der S/W-Fotografie zutraut, hat auch Henri Cartier-Bresson konstatiert, der der Farbfotografie mißtrauisch gegenüberstand:
"[Die Farbfotografie ist] eine verkümmerte Art zu sehen: Farbfotos begeistern nur die Händler und die Zeitschriften."

Farbfotografie ist heute die Brot-und-Butter-Fotografie: es ist geradezu ein Ereignis, wenn heute ein S/W-Foto nachgefragt wird.
Dabei ist es nicht allein um eine auf Form und Inhalt fokussierte, hochabstrakte Darstellungsform schade.

S/W-Fotos, die ja hauptsächlich bis in die Mitte der 90er Jahre entstanden sind (mit Erscheinen des Focus Anfang 93 verschwand die S/W-Fotografie aus den Nachrichtenmagazinen), geraten vollständig in Vergessenheit, sind bestenfalls noch "historisierend" in Sonderpublikationen oder Ausstellungen zu sehen.

Wenn ich gelegentlich einen resignierten Blick in unsere Archivschränke werfe, bin ich auch "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit".

Sonntag, 18. Januar 2009

Im Vorübergehen / En passant / Passing by - Henri Cartier-Bresson

"Man muss sich auf Zehenspitzen an das Objekt heranschleichen, selbst wenn es sich um ein Stilleben handelt. Man muss sich Samthandschuhe überziehen und Argusaugen haben.
Nur kein Geschiebe und Gedränge; wer angeln geht, darf das Wasser vorher nicht aufwirbeln."

Sonntag, 28. Dezember 2008

PEACE yard

Ricoh GRD II


Ganz gegen meine Erwartungen finde ich doch immer wieder ein Motiv für das PEACE-Projekt.
Und nicht nur das, ich meine auch den Schreibstil wieder erkannt zu haben!

Die Schrift ist diesmal aber schwarz, und wegen der geringen Farbkontraste kommt das Motiv erst in Schwarzweiß zur Geltung.

Hier gilt wirklich ein Satz von Henri Cartier-Bresson: "Emotion finde ich nur in Schwarzweiß."

Freitag, 18. Juli 2008

Im Vorübergehen / En passant / Passing by - W. Eugene Smith

 W.Eugene Smith 1918-1978 • Selbstportrait, 1968

"My station in life is to capture the action of life, the life of the world, its humor, its tragedies, in other words, life as it is.
A true picture, unposed and real."

"Meine Rolle im Leben ist, den Lauf des Lebens einzufangen, das Leben der Welt, seine Launen, seine Tragödien, mit anderen Worten, das Leben wie es ist.
Ein wahres Abbild, ungestellt und echt. "
W. EUGENE SMITH


Nun habe ich mir selbst eines meiner angepriesenen "Favoriten"-Bücher gekauft: W. Eugen Smith in der Aperture-Reihe Masters of Photography.

Das Buch zeigt einen Querschnitt der wichtigsten Arbeiten von Smith.
Zudem sind drei seiner Fotoessays "Country Doctor", "Spanish Village" und "Minamata", zwar in kleinerem Format, aber dafür komplett zu sehen.

Der kleine Band ist - wen wundert es - handwerklich erste Sahne, exzellent ediert und mit einem informativen Essay seines Biografen Jim Hughes versehen.

Hughes beleuchtet nicht nur Smith's von vielen Schicksalsschlägen durchwirktes Leben, er weiß auch zu berichten, dass das zentrale Bild der Reportage über "Dr. Albert Schweitzer: A Men of Mercy" ein Composing zweier Negative ist.

Smith überschreitet damit die Grenzen der faktischen Erscheinung, um sein Bild eines autoritären, ja durchaus auch rassistischen "Helden" Schweitzer mit dem Geheimnis seiner Religiosität und Humanität zu vereinen.
Ein Widerspruch zu seinem selbst formulierten Anspruch: "A true picture, unposed and real"?

Wenige haben, wie Smith, so viel an vorbereitender Recherche, an begleitender Dokumentation geleistet.
Und wenige waren wie er, der "mitleidende Zyniker", davon überzeugt, dass Fotojournalismus nicht nur dokumentiert, sondern auch einen Zweck erfüllen sollte: denen eine Stimme zu geben, die keine haben.

Während Henri Cartier-Bresson, dem passionierten Flaneur, viele seiner Motive "en passant" begegneten, entwickelte "Gene" Smith eine Vorstellung, ein Drehbuch.
Ja er wusste dank seiner akribischen Vorarbeiten genau was er wollte und konnte es auch beeindruckend umsetzen.

Er sagte in einem Interview, ein Jahr vor seinem frühen Tod:
"Das Geheimnis meiner Fotografie ist, dass ich die Fähigkeit besitze, vorauszusehen, wie eine Sache sich entwickeln wird, bevor ich es tatsächlich erlebe."
Das Ergebnis seiner - ihn im wahrsten Sinn des Wortes - verzehrenden Arbeit sind bewegende Reportagen von einer unglaublichen Dichte, bei denen in jedem einzelnen Bild die ganze Geschichte angelegt scheint.

Der Fotoband ist Empfehlung für alle, die sich mit Fotografie auseinandersetzen.

Wird das Buch - oder etwas anderes - über einen der Amazon-Links auf der Seite kauft, bekommt der Public Eye Blog eine kleine Provision bzw. werden die Mühen des Autors mit einem Espresso belohnt ;-)

Freitag, 4. Juli 2008

Im Vorübergehen / En passant / Passing by

Ich habe es doch noch auf den letzten Drücker geschafft in der Kunsthalle Mannheim die Henri-Cartier-Bresson-Ausstellung "Early Works" anzuschauen.
Unbestreitbar, dass man seine Fotos mit anderen Augen sieht, als beim Durchblättern durch einen Fotoband.

So ganz nebenbei ist mir wieder einmal der Gedanke gekommen, dass es für manchen "pixel-peeper" unter uns ganz lehrreich wäre, zu sehen, dass "gute" Bilder nicht mit technischer Perfektion gleichzusetzen sind.

Damit will ich nicht sagen, dass Cartier-Bresson kein guter Techniker gewesen ist.
Aber es war ihm wichtiger, eine Szene nicht zu verpassen, als auf punktgenaues Fokussieren oder perfekte Belichtung zu achten. Dazu kommt noch ein Filmmaterial (Early Works!), dass weder mit modernen Filmen und erst recht nicht mit den "digitalen Filmen" mithalten kann.

Aber das nur nebenbei.

Es ist so selbstverständlich, HCB's Fotos in Schwarzweiß zu sehen, dass man sich keine Gedanken macht, wie denn sein Verhältnis zur Farbfotografie war.

Tatsächlich stand Cartier-Bresson der Farbfotografie ablehnend, gar misstrauisch gegenüber:
„Emotion finde ich nur im Schwarzweiß“
stellte er fest. Und er ging noch weiter:
"[Die Farbfotografie ist] eine verkümmerte Art zu sehen: Farbfotos begeistern nur die Händler und die Zeitschriften.“

Freitagabend, Feierabend: das Wochenende steht vor der Tür!

Zeit für Fotografie - in Schwarzweiß - und Zeit sich ein paar Gedanken über HCB's Thesen und Ansichten zu machen.

Ich fände es schön, wenn ihr - die Blogleser - mal aus dem Schatten treten würdet und eine kleine Diskussion zustande käme:
  • Transportiert S/W tatsächlich mehr Emotion?
  • Führt die Abstraktion von der Farbe zum Inhalt, die Farbe dagegen nur zur Oberfläche?
  • Wir tun uns schon schwer genug mit Form und Inhalt, warum sich noch - die oft nicht kontrollierbare - Farbe "ans Bein binden"?
  • etc.pp. …

So viele Fragen … so wenig Antworten?

Schönes Wochenende!

(neben vielen S/W und Farbfotos im Blog, finden sich zwei Versionen des gleichen Bildes hier, hier, hier und hier)

Donnerstag, 29. Mai 2008

A propos de Paris - Henri Cartier-Bresson in Fellbach

Immer noch neugierig - das "Auge des 20. Jahrhunderts" - Henri Cartier-Bresson




Fotografien à propos de Paris:
heute abend war Ausstellungseröffnung in Fellbach.

Erfreulich, wie viele Menschen doch zu solch einem Ereignis kommen - der Sitzungssaal des Fellbacher Rathauses war gut gefüllt.

Die Fotos - teils in der Galerie der Stadt Fellbach, teils im Foyer des Rathauses zu sehen - wurden noch zu Lebzeiten von Henri Cartier-Bresson, der am 22. August 100 Jahre geworden wäre, zu einer Ausstellung zusammengestellt.

Zu sehen sind Bilder eines leidenschaftlichen Flaneurs und seiner großen Liebe zu Paris.

Neben den Straßenfotografien aus Paris, gibt es noch eine Serie mit Portraits berühmter Zeitgenossen von HCB, Zeitschriften mit seinen Reportagen, Bücher, und - wen wunderts - eine Ausstellung mit alten Leicas plus Zubehör.

Zu sehen gibt es in der Ausstellung so bekannte Fotos wie den "Jungen mit den zwei Weinflaschen" oder den berühmten "Sprung über die Pfütze am Gare Saint-Lazare", ein Foto, das geradezu als klassische Illustration für den "decisive moment" dienen könnte.

Aber auch das Plakatmotiv für die Ausstellung ist klug und programmatisch gewählt:
als ob nicht schon das Offensichtliche - der Kuss - ein starkes Motiv wäre, nein, erst der zweite Blick bemerkt den Hund, der überrascht, ja eifersüchtig unter dem Tisch hervorlugt und womöglich das ist, was Roland Barthes als das "punctum" im Bild bezeichnete.

Man sollte also nicht zu schnell an den Bildern Cartier-Bressons vorbeigehen, auch, wenn man meint sie schon zu kennen, sondern ruhig die Augen flanieren lassen, einen zweiten Blick riskieren.

"Mit sparsamen Mitteln und vor allem mit Selbstverleugnung gelangt man zur Natürlichkeit der Darstellung" lernen wir von Henri Cartier-Bresson.

Dass ihn seine Magnum-Kollegen auch als gnadenlosen Kritiker und Bildertyrannen geradezu fürchteten, berichtete Andrea Holzherr, die als Vertreterin von Magnum Photos aus Paris angereist war.

Mit seinem berühmten Satz:
"Fotografieren heißt - gleichzeitig und innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde - die Tatsache selbst und die strenge Organisation der wahrnehmbaren Formen, die ihr Bedeutung geben, zu erkennen.
Das heißt Kopf, Auge und Herz auf die gleiche Linie zu bringen."
hat er die Messlatte für gutes fotografieren für sich selbst, aber auch für seine Kollegen und alle, die die Fotografie ernsthaft betreiben, sehr hoch gelegt.



Wem Mannheim näher ist als Fellbach: "Henri Cartier-Bresson - Early Works", noch bis zum 22. Juni in der Mannheimer Kunsthalle.

Sonntag, 13. April 2008

Im Vorübergehen / En passant / Passing by

Le petit parisien - Foto: Willy Ronis


"Die Momente, die ich einfange, erheben keinen Anspruch auf eine universelle Wahrheit.
Sie geben meine wahrscheinlich ein wenig naive Sicht auf meine persönliche Welt wieder.
Es ist ein Gang in kleinen Schritten zu einer poetischen Darstellung des bescheidenen Glücks."

"The moments that I capture are not intended as some Universal Truth.
They express my - probably rather naïve - vision of my own personal universe.
They are small steps on the road toward a poetic representation of modest happiness."


Willy Ronis



Immer wenn ich die Fotografien von Willy Ronis anschaue, fühle ich mich in seiner Art zu sehen und zu fotografieren auf eine besondere Art zu Hause.

Er fühlte sich wie
Henri Cartier-Bresson und Robert Doisneau einer menschlichen Welt verpflichtet, interessierte sich für soziale Themen, war viel auf der "Straße" unterwegs, dokumentierte sensibel und poetisch das alltägliche Leben seiner französischen Landsleute.

Ronis war nie der "tough guy", der Starfotograf, der immer in der ersten Reihe steht - vielleicht ein Grund mehr, ihn sympathisch zu finden.


Nach Jahren voller Enttäuschungen und Krisen, wurde er 1970 auf den ersten "
Rencontres" in Arles vom fotobegeisterten Publikum "wiederentdeckt". Es folgten Ausstellungen, Publikationen, Ehrungen - und endlich die Anerkennung, die er und sein fotografisches Werk verdienen.

Willy Ronis gehört - auch wenn hierzulande nicht so bekannt - zu den ganz großen Fotografen unserer Zeit.

Samstag, 1. März 2008

Im Vorübergehen / En passant / Passing by

Bei Henri Cartier-Bresson, Magnum-Mitbegründer und einer der Väter des modernen Fotojournalismus, lässt sich so manches bedenkenswerte Wort zur Fotografie finden.

Heute bin ich an einigen Sätzen über die Reportage hängen geblieben.
Sie stehen im Vorwort zu seiner 1952 in New York erschienen Monographie "The Decisive Moment".

Cartier-Bresson schreibt:
"Nur kein Geschiebe und Gedränge - wer angeln will, darf das Wasser vorher nicht trüben.
Selbstverständlich keine Blitzlichtaufnahmen, und sei es auch nur aus Respekt vor dem noch so kärglichen Naturlicht. Andernfalls wird der Fotograf zu einem unerträglich agressiven Wesen.
Sein Beruf hängt so sehr von dem Verhältnis ab, das er zwischen sich und den Leuten herstellt, dass ein einziges Wort alles verderben, alles zum Gefrieren bringen kann.
Auch hier gibt es keine Allerweltsregel, außer, sich selbst und die sowieso immer zu auffällige Kamera möglichst vergessen zu lassen."

Man könnte vielleicht so zusammenfassen:
  • keinen Einfluss auf das Ereignis durch eigenes Handeln
  • kein Blitzlicht benutzen
  • völlige Zurückhaltung
  • möglichst unsichtbar sein
Hat er das nicht treffend formuliert?


Samstag, 10. November 2007

Henri Cartier-Bresson fotografiert!

@studiobongo.com




Erstens mal ist es schön, einen unserer gr0ßen Meister beim Fotografieren zu beobachten.

Zweitens mal ist es interessant zu sehen, wie unauffällig Cartier-Bresson sich bewegt, wie er in der Szenerie verschwindet.

Und drittens mal: stellt ihn euch mal vor, im Fotografen Kampf-Outfit, mit umgedrehter Basecap, Mords-Tasche an der Seite baumeln und sooo einen Oschi in der Hand!

Sehenswert!

Mittwoch, 7. November 2007

Jazz Calendiary 2008 - eine Rezension

"When you hear music, after it's over, it's gone in the air. You can never capture it again."
Eric Dolphy - 02.06.1964 - Hilversum / Holland

Eine Aussage auf der Lizenz-Vinyl-Amiga-Jazz-Edition von 1976 aus DDR-Zeiten, die mir, seit dem ich mich mit Jazz und Fotografie beschäftige, nicht mehr aus dem Kopf geht.

Das Jazz Calendiary 2008, ein Kalenderbuch mit 58 Duoton schwarz-weiss Fotografien von Patrick Hinely, aufgeschlagen auf der linken Seite das Foto, rechts das Wochen-Kalendarium, welches ich Glücklicher nun vor mir liegen habe, beweist das Gegenteil... wenn auch nicht auf akustische, so zumindest auf visuelle Art!

Ich merke erneut beim Durchblättern dieses wunderbaren Kunst-Werkes der Jazzfotografie die Liebe meines Freundes und Kollegen Patrick zur Musik, vor allem aber zu den Menschen.
Durch seine jahrzehntelangen Erfahrungen und Beobachtungen bei der Zusammenarbeit mit den Musikern, vor allem auch hinter der Bühne, hat er einen phänomenalen Spürsinn für den richtigen Augenblick entwickelt.

Mit seinem Markenzeichen WORK/PLAY hat er den Nagel auf den Kopf getroffen.
Nicht nur arbeiten, sondern auch spielen - spielend arbeiten ... wobei spielen nicht immer musizieren bedeuten muss... all that's Jazz!
Ich habe immer bewundert, wie er diese Paradoxien in seinen Fotos unter einen Hut bekommt, sie dem Betrachter offenbart, und dies nicht nur durch den situationsbedingten richtigen Augenblick des Auslösens der flüsterleisen Leica, sondern auch durch die gleichzeitige Gestaltung des schwarz-weiss Bildes, welches immer vollformatig, also unbeschnitten mit schwarzem Negativrand vergrössert wird, wie im Sucher der Kamera gesehen.

Und so passt auch die Feststellung von Henri Cartier-Bresson zu Patrick und seinen Bildern:
"To take photographs means to recognize - simultaneously and within a fraction of a second - both the fact itself and the rigorous organization of visually perceived forms that give it meaning. It's putting one's head, one's eye and one's heart on the same axis."
"Fotografieren heisst - gleichzeitig und innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde - die Tatsache selbst und die strenge Organisation der wahrnehmbaren Formen, die ihr Bedeutung geben, zu erkennen. Das heisst Kopf, Auge und Herz auf die gleiche Linie zu bringen."

Henri Cartier-Bresson

Ich könnte jetzt noch viel erzählen, von den wunderbaren Zeiten während der Zusammenarbeit mit Patrick beim JazzFest Berlin, Schulter an Schulter beim Soundcheck, immer mit kollegialer Rücksichtnahme und Respekt, auch vor der Arbeit der Musiker ... oder von der unvergessenen gemeinsamen Fahrt kurz nach der Wende mit meinem Automobil TRABANT durch das Brandenburger Tor, auf dem Weg von der Philharmonie zum Konzert im damals noch verrauchten Franz-Club... aber sehen Sie selbst... er hat vieles davon in seinen Bildern in diesem, seinem Calendiary festgehalten.

When you see a picture, after it's over, it's gone in your head. But you can never capture it again.

Patrick ist immer ein wenig schneller...

Merci, Merci, Merci...
Your Friend
Detlev Schilke


Fotos: © Patrick Hinely

Samstag, 25. August 2007

Im Vorübergehen / En passant / Passing by

Zwei Tendenzen beherrschen die heutige Fotografie: die eine ist voll künstlicher Ausflüchte, voll glänzender Phantasiegebilde und von dem hysterischen Verlangen nach Schock-Effekten erfüllt, die andere ist um Realismus, Aufrichtigkeit, Wahrheit bemüht. […]

Die Kamera arbeitet schnell, und so arbeitet der Fotograf. Innerhalb einer Sekunde muss er sehen und fühlen, verstehen und auswählen, reagieren und agieren. Bewegungen und Ausdrucksweisen, die keiner gesehen hat, bevor sie festgehalten wurden. Ein Augenblick ist eingefangen, der niemals war und nicht wieder sein wird. Schnelligkeit, die Grundbedingung heutigen Lebenss, ist die Stärke der Fotografie, die so zur modernen Kunst des Heute wird, zur Kunst des Sekundenbruchteils.
LISETTE MODEL

Schon interessant, wie zutreffend die Analyse, die sie vor ca. 50 Jahren getroffen hat, auch für unsere Zeit ist.

Auch hier, wie bei anderen, die Fotografie betreffenden Dauer(brenner)themen gilt: manches ändert sich nie!

Schön finde ich auch MODEL's Variante des berühmten Satzes von HENRI CARTIER-BRESSON.

Auf ganz unterschiedliche Weise formuliert, wurde das von vielen Fotografen als der Vorgang des Fotografierens erkannt.

Freitag, 25. Mai 2007

I Love Photography!


Für alle, die ihre Liebe zur Fotografie nach außen dokumentieren wollen, gibt es dieses t-shirt mit dem berühmten Satz von HENRI CARTIER-BRESSON (fast genau) verpictoralisert bei cafepress.com.

Sonntag, 6. Mai 2007

Im Vorübergehen / En passant / Passing by

"Think while you shoot!"
MARTIN MUNKACSI, zitiert nach Martin Munkacsi, Steidl Verlag 2005

Henri Cartier Bresson bezeichnete Munkacsi's Foto "Jungen laufen in die Brandung des Tanganyika-Sees" als "… die einzige Photographie, die mich beeinflußt hat."

Samstag, 31. März 2007

Ist die Straße tabu?

Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg
stellt “stilles Betteln” keine Störung der öffentlichen Sicherheit oder Ordnung dar.
Das generelle Verbot des Bettelns ist deshalb nicht mehr zulässig.
Gegen Ordnungsstörungen durch Bettler (aggressives Betteln, “Demutsbetteln” usw.)
wird auf der Grundlage des allgemeinen Polizeirechts
durch Verbote, Platzverweise und lagebezogene Kontrollen vorgegangen.


Ist die Straße ein öffentlicher oder ein privater Raum?
Haben Fotografen das Recht zu fotografieren wann und wo es ihnen beliebt?

Es ist erfreulich, dass "Straßenfotografie" immer wieder ein Thema in den verschiedensten Blogs ist.

Sei es im Magnum Blog, Ball-Saal Blog, oder aktuell in The Online Photographer, überall geht es um die Frage, ist es überhaupt legitim, Menschen in der Öffentlichkeit unbemerkt und ohne deren ausdrückliche Einwilligung zu fotografieren?

Ich meine ja!
Der unverstellte Blick auf unsere heutige Gesellschaft ist von so großer Bedeutung, dass ich in Kauf nehme, mich in einem rechtlich unsicheren Raum zu bewegen.

Wieviel Einblicke in das öffentliche, gesellschaftliche Leben unterschiedlicher Länder und Kulturen ermöglichen uns heute die Fotos unserer "altvorderen" Straßenfotografen wie Henri Cartier-Bresson, Willy Ronis, Robert Frank, Alfred Eisenstaedt, W. Eugene Smith, William Eggleston, Brassaї, Garry Winogrand uvm.?


Denn der Lohn der Sünde ist der Tod: Straßenprediger


Problematisch finde ich andere Aspekte der Straßenfotografie.

Selbstverständlich ist für mich die kommerzielle Nutzung solcher Fotos ausgeschlossen.

Und ich finde es ebenso selbstverständlich, dass ich die Würde der Menschen zu respektieren habe, und sie nicht durch meine Fotos der Lächerlichkeit, dem Gespött der Betrachter preisgeben darf.

Wie sagt der Fotograf Gilbert Duclos in einem Interview:
"I tell people, take the risk. Because it's so ridiculous that if you follow the ruling literally, they will no longer be able to do street photography."



Ich bin gespannt auf Kommentare.

Sonntag, 25. März 2007

Zum Nachdenken / To reflect on

"To take photographs means to recognize - simultaneously and within a fraction of a second - both the fact itself and the rigorous organization of visually perceived forms that give it meaning. It's putting one's head, one's eye and one's heart on the same axis."
Henri Cartier-Bresson


"Fotografieren heißt - gleichzeitig und innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde - die Tatsache selbst und die strenge Organisation der wahrnehmbaren Formen, die ihr Bedeutung geben, zu erkennen. Das heißt Kopf, Auge und Herz auf die gleiche Linie zu bringen."
Henri Cartier-Bresson


Zitiert und übersetzt nach "Dialogue with Photography", Hrsg. Paul Hill & Thomas Cooper, 1979