Sonntag, 28. September 2008

Photokina 2008 - ein kleiner Nachruf

"Eigentlich ist der ahnungsvolle, gerüchteschwangere Zustand in den Wochen vor der Verkündigung doch die schönste Zeit."

Erst ist man gespannt, was sich wohl darunter verbirgt …


Diese Zeit ist jetzt vorbei und wenn es nicht vorher schon so war, so treten wir jetzt mit Sicherheit in den Zustand der "nüchternen Trunkenheit" ein - oder ist es womöglich ein Zustand vollkommener Ernüchterung?

Wir haben viel gesehen, zuviel für mich, um allem gerecht zu werden.

Herausgreifen möchte ich zwei bemerkenswerte Entwicklungen in der Kameratechnik.

Zum Ersten:
die Frage nach dem "digitalen Filmformat", also nach der Sensorgröße, hat sich spätestens jetzt erledigt.
Neben dem "wirklichen" Mittelformat gibt es jetzt "Mittelformat light", einen 30x45mm Sensor in einem großen "Kleinbild"-Gehäuse - die Leica S2.

Sie wird zum Preis eines Mittelklasse-PKW ihre Käufer finden und ich bin mehr denn je davon überzeugt, dass auch bei Canonikon schon entsprechende Pläne auf dem Tisch liegen.

So gibt es jetzt also die ganz Kleinen und die ziemlich Kleinen.
Dann kommen die 2/3", die Four/Thirds, die APS-Cs, die APS-Hs, die FF oder FX-Sensoren.
Danach fängt dann das Mittelformat an etc. pp. …?

Zum Zweiten:
Combo-Kameras kennen wir schon seit langem.
Bei den sog. Point&Shoot-Kameras findet sich kaum eine ohne Videofunktion.

Nun ist die Konvergenz (oder ist es doch Konfusion?) zwischen Stil- und Videokamera auch bei den Profikameras angekommen.
Ob sie auch bei den Fotografen ankommt, wird sich erst noch zeigen.

Vorläufig müssen wir uns in Geduld üben und eine Flut von mehr oder weniger sehenswerten Videofilmchen über uns ergehen lassen.
Wenn sich die erste Begeisterung gelegt hat, sehen wir weiter.

Was war spannend?
Spannend finde ich das, was sich hinter dem Begriff "Micro Four Thirds" noch versteckt hält.

Was wir bis jetzt gesehen haben, wird eine ernsthafte Konkurrenz für sog.Bridgekameras, die kleinere Sensoren und eine Süperzoom haben.
(Eine Ausnahme bei der Sensorgröße war die Sony R1, wer erinnert sich noch?)

Ich wage jetzt schon zu behaupten, dass wir für diese Kamerasysteme bald auch die klassischen Festbrennweiten 28-40-90mm (bezogen auf den Sensor 14-20-45mm) sehen werden, als relativ lichtstarke und schnuckelig-kleine Optiken.

Wenn schon Leica nicht erkannt hat, welche Möglichkeiten in einer digitalen Leica CL/Minolta CLE liegen, wer weiß, vielleicht dann jemand anderes?

Nun ja, sie haben sich für den S2-Boliden entschieden und die M-Leica endgültig zur "Dentistenkamera" gemacht: wer bitte kann sonst so viel Geld in ein Kamerasystem stecken, das zu den richtigen Optiken die falsche Sensorgröße hat, den Kunden im nachhinein teure Upgrade-Programme zumutet und für 8000 € ein superlichtstarkes Objektiv, das Noctilux 1:0,95/50mm anbietet, das zwar Aufsehen erregt, dessen praktischer Nutzen aber mehr als fraglich ist?


… und dann ist doch nur anschauen erlaubt.
beide Fotos von Hartmut Möller fotografiert in Edinburg, Schottland

Das soll's mal gewesen sein.
Die Gerüchteküche bleibt jetzt für einige Zeit kalt.
Aber keine Sorge, die PMA findet bereits Anfang März 2009 in Las Vegas statt, auch hier im Blog wird der Herd wieder rechtzeitig angefeuert.

So ein bißchen "nüchterne Trunkenheit" hat doch noch niemand geschadet - oder?

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