Freitag, 9. Oktober 2009

Klein und fein - Erfahrungen mit der Panasonic GF1






Panasonic GF1 mit Lumix 1.7/20mm, Bl. 4, 1/2500 sec., 100 ISO, JPG





Angeblich ist oft der erste Eindruck von ganz besonderer Bedeutung bei der Begegnung zweier Menschen und kann schnell zu einer "sich selbst erfüllenden Prophezeiung" werden.

Genau so ist es mir mit der Panasonic GF1 ergangen: schon das erste Foto war so überzeugend, hat mich so mit positiven "Vorurteilen" geimpft, dass es mir jetzt schwer fällt, völlig "gefühllos" und unvoreingenommen über die Kamera zu schreiben.

Aber bei aller Begeisterung über die exzellente Bildqualität (auch in technischen Reviews bestätigt), die sicher auch zu großen Teilen dem 1.7/20er Pancake geschuldet ist: nicht alles ist Gold was glänzt …
Die Verarbeitung der Kamera ist ausgezeichnet, allerdings ist die Oberfläche glatt wie ein Kinderpopo, der angedeutete Handgriff fast wirkungslos, die Kamera "klebt" nicht in der Hand und muss mit dem um das Handgelenk gewickelten Kamerariemen gesichert werden.

Ein kleines Gehäuse und ein großer rückwärtiger LCD bringen das Layout der Bedienelemente in Bedrängnis. Die Finger finden ihren Weg nicht alleine, die Kamera muss oft vom Auge genommen werden.
Beim Drehen des Moduswahlschalter verstellt sich ungewollt der direkt davor sitzende Wahlschalter für die Betriebsart (Einzel- Serienbild, Bracketing, Selbstauslöser).

Canon Menüs gewöhnt bzw. von ihnen verwöhnt finde ich mich bei Panasonic immer noch nicht "intuitiv" zurecht. Aber das wird sich vermutlich geben.

Der elektronische Aufstecksucher - ohne den die Kamera für mich nicht in Frage gekommen wäre - ist auf dem Niveau gängiger Bridgekameras, ein "Sucher", kein "Finder".
Aber man erkennt das Motiv, die AF-Zone und kann ein Histogramm einblenden.
Das muss genügen, ist ausreichend und allemal besser, als mit ausgestreckten Armen auf das rückwärtige Display zu starren.
Immerhin: der EVF ist bis zu 90 Grad nach oben schwenkbar und erlaubt so Aufnahmen aus unterschiedlichen Perspektiven.

Beklagen muss ich auch - als bekennender Straßenfotograf - dass die Optik keine Entfernungsanzeige hat, dass auch beim manuelle Fokussieren (funktioniert ganz passabel) keine Entfernungsanzeige im Display eingeblendet wird (die Ricoh GRD II kann das) und somit eine Schnappschusseinstellung (hyperfokale Distanz) aus fest eingestellter Entfernung und Blende nicht möglich ist.

All das ist schnell vergessen, wenn man die hervorragenden Bildergebnisse sieht.
Aber auch hier steht vor der Freude zuerst der alte Ärger: anstatt die RAW-Dateien als "digitales Negativ" DNG auszugeben, benutzt Panasonic ein proprietäres Format, das Gott sei Dank (Silkypix is nix!) wenigstens von Lightroom eingelesen werden kann.

Hat man es geschafft, die Bilder in ein verarbeitbares Format zu verwandeln, herrscht nur noch eitel Freude

Panasonic bietet im Moment eine weitere (teure) Festbrennweite an, ein Leitz 45er Makro, entspricht also einem 90er Portraitobjektiv.
Ein 14er (equiv. 28mm) Weitwinkel soll nächstes Jahr folgen. Damit wären die "klassischen" Brennweitenbereiche abgedeckt.

Natürlich können auch die angeboten Zoomoptiken angesetzt werden.
Ob die Kamera damit etwas von ihrem Zauber (Bildqualität und Kompaktheit) verliert kann ich nicht beurteilen.


Die Panasonic GF1 ist keine "Leica für Arme" sondern für mich heute "the Barnack camera of the digital aera" (Erwin Putts).
Sie ist ein hochwertiges, ein inspirierentes Werkzeug, das seinen Platz in meiner Fototasche gefunden hat.



2 Nachträge:

Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass Panasonic via Firmware die Nutzung preisgünster Akkus von sog. Fremdanbietern verhindert.
Für den obligatorischen Zweitakku sind deshalb ca. 70(!) Euro zu berappen.

Als "Airbag" für die Frontlinse des 20er Pancake, empfehle ich den Kauf einer Gummisonnenblende (Hama, Soligor) mit 46er Gewinde.




Kommentare:

  1. Hallo Martin, sehr netter Erfahrungsbericht.
    Wie sieht es denn mit dem Aufstecksucher bei schwierigen Lichtsituationen-Gegenlicht, Punktlichtquellen bzw. wenig Licht aus?
    Und erhöht sich durch den Aufstecksucher der Energieverbrauch dramatisch?

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  2. optische qualitaet hin und her, fuer intuitive und ambitionierte fotografie sind die panasonics noch nicht gemacht. hier muss panasonic noch lernen. zumindest ueberschreibt die gf1 nicht mehr den manuellen weissabgleich beim blitzen wie die lx3. allerdings geht das histogramm bei manueller belichtungseinstellung verloren und es bleibt eine lichtwage, gewichtet nach belichtungsmessmethode.
    die automatische bildaufhellung, nicht zu verwechseln mit der automatischen monitorhelligkeit, laesst sich leider nicht abschalten.
    umd eine gezielte gewichtung von umgebungs- und blitzlicht ist ebenfalls nur schwer moeglich, da bei blitznutzung die kamera das umgebungslicht nicht mehr beruecksichtigt, bzw. im histogramm nicht anzeigt.
    das erinnert mich an sinnlose funktionen wie vor jahren bei ricoh - bei gr21/gx/gx8 konnten externe blitze nur ausgeloesst werden, wenn der interne aktiviert war.
    die lx3 und gf1 lassen in meinen augen noch keine gezielte messung und abgleich des lichtes zu. und wie eine bedienung sein sollte, zeigt ricoh mit der gx- und grd-serie.
    nicht desto trotz sind lx3 und gf1 gelungene kameras, aber noch verbesserungswuerdig.
    ps: die lx3 hat bei mir die gx100 abgeloest und meine konica hexar wartet noch auf eine digitale abloesung, die gf1 ist es nicht! schauen wir, ob es olympus besser kann.

    marco microbi

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  3. @ zoomyboy

    der Aufstecksucher soll weniger Strom verbrauchen als das hintere Display. Konnte ich nicht überprüfen, klingt aber logisch.
    Der Sucher lässt sich bei jeder Lichtart in etwa gleich benutzen: wie gesagt Funktion ist ausreichend, Histogramm und AF-Punkt wird angezeigt, mehr ist aber nicht.
    Für Fotos auf kürzere Distanz wie den "Schnappschuss" wäre es unmöglich, jemanden eine Kamera mit ausgestreckten Armen ins Gesicht zu halten.
    Der Sucher ist nützlich und wenn man die Kamera aus Brusthöhe benützt, also von oben in den Sucher blickt, bricht man dadurch die direkte Linie Auge-Auge. Das wirkt weniger agressiv. Man erinnere sich nur an das fotografieren mit zweiäugigen Spiegelreflexkameras.

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