Die Möglichkeit, mit Hilfe der Fotografie, auch noch kleinste Details sichtbar zu machen, war mit ein Grund, warum es die Fotografie lange Zeit schwer hatte, in den exklusiven Kreis der "Schönen Künste" aufgenommen zu werden.
"Schärfe und Detail verstellen den Blick auf das Wesentliche", so kann man vielleicht das Argument für den Abwehrkampf der bildenden Künstler zusammenfassen.
So teilten sich FotografInnen (z. B. wie Julia Margart Cameron) bald in solche, die die naturwissenschaftliche Herkunft der Fotografie nicht leugnen wollten und in Impressionisten, die die "künstlerische Unschärfe" und damit die Nähe zur Kunst bevorzugten.
Sie legten ein Papier zwischen Negativ und Positiv, bewegten das Kameraobjektiv während der Belichtung vor und zurück, alles nur um "den Blick auf eine breite, generelle Wirkung" nicht durch zuviel Detailtreue zu verstellen.
Ein Fotograf und Kritiker schrieb damals (wir reden von der Mitte des 19. Jahrhunderts):
"Es ist nicht die Aufgabe der Fotografen, unscharfe Flecken zu produzieren. […] aber die Fotografie ist vor allem die Kunst der Scharfzeichnung (definition), und wenn die Kunst von ihrer Funktion abweicht, dann ist sie verloren."
Ist Schärfe nur von relativem Interesse?
Je weniger Fakten, desto stärker der Eindruck?
Ist technische Perfektion Voraussetzung für Fotografie?
Oder hängen Technik und Motiv von einander ab?
Und was sagen die "pixel peeper" des Digitalen Jahrhunderts dazu?
siehe auch:
Das Neue als Remix aus bereits Bekanntem
*Gefühl und Schärfe, Fotos für die TAZ
ist der Titel eines Fotobuches 1982 herausgegeben bei Frölich & Kaufmann von Ernst Volland.
Themen waren Jugendkultur und Soziale Bewegungen. Einen bescheidenen Beitrag durfte auch ich beisteuern.
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Montag, 2. Juli 2007
Freitag, 4. Juli 2008
Im Vorübergehen / En passant / Passing by
Ich habe es doch noch auf den letzten Drücker geschafft in der Kunsthalle Mannheim die Henri-Cartier-Bresson-Ausstellung "Early Works" anzuschauen.Unbestreitbar, dass man seine Fotos mit anderen Augen sieht, als beim Durchblättern durch einen Fotoband.
So ganz nebenbei ist mir wieder einmal der Gedanke gekommen, dass es für manchen "pixel-peeper" unter uns ganz lehrreich wäre, zu sehen, dass "gute" Bilder nicht mit technischer Perfektion gleichzusetzen sind.
Damit will ich nicht sagen, dass Cartier-Bresson kein guter Techniker gewesen ist.
Aber es war ihm wichtiger, eine Szene nicht zu verpassen, als auf punktgenaues Fokussieren oder perfekte Belichtung zu achten. Dazu kommt noch ein Filmmaterial (Early Works!), dass weder mit modernen Filmen und erst recht nicht mit den "digitalen Filmen" mithalten kann.
Aber das nur nebenbei.
Es ist so selbstverständlich, HCB's Fotos in Schwarzweiß zu sehen, dass man sich keine Gedanken macht, wie denn sein Verhältnis zur Farbfotografie war.
Tatsächlich stand Cartier-Bresson der Farbfotografie ablehnend, gar misstrauisch gegenüber:
„Emotion finde ich nur im Schwarzweiß“stellte er fest. Und er ging noch weiter:
"[Die Farbfotografie ist] eine verkümmerte Art zu sehen: Farbfotos begeistern nur die Händler und die Zeitschriften.“
Freitagabend, Feierabend: das Wochenende steht vor der Tür!
Zeit für Fotografie - in Schwarzweiß - und Zeit sich ein paar Gedanken über HCB's Thesen und Ansichten zu machen.
Ich fände es schön, wenn ihr - die Blogleser - mal aus dem Schatten treten würdet und eine kleine Diskussion zustande käme:
- Transportiert S/W tatsächlich mehr Emotion?
- Führt die Abstraktion von der Farbe zum Inhalt, die Farbe dagegen nur zur Oberfläche?
- Wir tun uns schon schwer genug mit Form und Inhalt, warum sich noch - die oft nicht kontrollierbare - Farbe "ans Bein binden"?
- etc.pp. …
So viele Fragen … so wenig Antworten?
Schönes Wochenende!
(neben vielen S/W und Farbfotos im Blog, finden sich zwei Versionen des gleichen Bildes hier, hier, hier und hier)
Donnerstag, 18. September 2008
Nüchterne Trunkenheit - Einige Worte am Vorabend der Photokina
Fotografiert mit einer 2-Generationen-alten-350-€-Amateurkamera - sie war auch mal eine Nachricht wert - JPG direkt aus der Kamera …Das fängt ja gut an - nüchterne Trunkenheit?
Wo wir doch beschwipst von Gerüchten, Gemunkel, von Fakes und News, ganz be"hype"t durch die Gegend taumeln?
Na ja, draußen dräut Frost, drinnen wärmt ein Feuer und der erste Grog, und vielleicht braucht es ja diesen Zustand einer "nüchteren Trunkenheit" um jetzt schon ein paar vorläufige Worte über die "Neuigkeiten" der Photokina zu verlieren.
Eigentlich ist der ahnungsvolle, gerüchteschwangere Zustand in den Wochen vor der Verkündigung doch die schönste Zeit.
Wenn dann der Vorhang aufgeht, wenn man dann weiß was Sache ist, wenn man dann die ihrer bunten Phantasiekleider entledigten Traumbilder unseres Verlangens leibhaftig und "nackt" vor sich sieht, tritt leider wieder Ernüchterung ein: a camera is a camera is a camera …
Und man stellt sich, angesichts all der herrlichen Geldanlagemöglichkeiten, vernünftigerweise vor dem Kauf doch noch ein paar Fragen:
- wie oft musste ich mit ISO-Zahlen jenseits der 800 fotografieren?
- wie oft hatte ich Probleme mit zu kleinen Dateien?
- wie oft haben sich die KollegInnen aus den Fotoredaktionen über meine verrauschten Bilder beklagt?
- und wann habe ich eine Videofunktion in meiner Spiegelreflexkamera wirklich vermisst?
War es nicht eher so,
- dass ich das schwarze Monstrum in meiner Hand am Abend unangenehm im Handgelenk spüre,
- dass ich merke, wie angsteinflößend diese Riesenapparate für diejenigen sind, die ich fotografieren will,
- dass ich mir oft einfachere und schlüssigere Einstellmöglichkeiten gewünscht habe, schnellere Reaktionszeiten, leisere, oder besser noch, keine Geräuschentwicklung beim Fotografieren etc. pp …
Um so mehr braucht es die Kameratester, die Laboringenieure, die pixel-peeper, die uns anhand von Tabellen und Messwertprotokollen weismachen wollen, dass die neue Kamerageneration tatsächlich alles in den Schatten stellt, von dem wir bisher glaubten, damit gut fotografieren zu können.
Aber die neue Canonikon DX II wird uns nicht davor schützen, dass der Kollege mit seiner abgenudelten Kamera neben uns, am nächsten Morgen sein Bild in der Zeitung hat - vielleicht sogar, weil er schon lange nicht mehr in die Betriebsanleitung schauen muss, während ich nicht mehr weiß, wie ich die Live-View-Funktion wieder ausschalten kann, auf deren Einschaltknopf ich versehentlich gedrückt habe.
Wer eine neue Kamera braucht, soll sich eine kaufen.
Wer allerdings glaubt, dass er mit einer neuen Kamera endlich die Bilder machen kann, die er bisher nie gemacht hat, der sollte aufhören zu träumen.
Wie gesagt: eine Kamera ist eine Kamera ist eine Kamera.
Wer' s nicht glauben will, in ein paar Wochen sind wir alle doch wieder eines Besseren belehrt.
P.S.:
ich blättere gerade in einem "Marokko-Merian" von 1975.
Ein ruhiger Blick auf die Farb- und S/W-Fotos hat therapeutische Wirkung.
Gute Reisefotografie, aber an "heutigen" Maßstäben gemessen technisch ungenügend.
Ich würde sogar behaupten, kein Foto im Heft hat die technische Qualität meines banalen Fensterfotos.
Was soll uns das jetzt sagen …?
Samstag, 21. Juli 2007
Um beim Thema zu bleiben…
Bald nach der Erfindung der Fotografie gründeten sich zahlreiche Fotografische Gesellschaften in allen Herren Länder.
Und damit beginnt auch eine Diskussion, die nicht nur die nächsten Jahrzehnte dominiert, sondern auch heute, nach dem Aufkommen des Digitalen Zeitalters, wieder an Bedeutung gewonnen hat:
Fotografie - Zweck oder Mittel, das Problem der Manipulation und das Problem von Schärfe (pixel peeper!) und Unschärfe (Fotoimpressionisten!).
Spannend, dass die Vetreter der straight photographie (der reinen Fotografie) wie Ansel Adams, Albert Renger-Patsch, Alfred Stieglitz, Paul Strand, Edward Weston u. a. bereits ihre Vorläufer in der Mitte des 19. Jahrhunderts hatten.
So sagt William John Newton auf einer Sitzung der "Photographic Society of London" (er spricht offensichtlich gegen die frühen Vertreter der straight photographie):
Ca. 20 Jahre später, mitten in einer Epoche der ausufernden Retusche, der künstlichen Hintergründe, der technischen Tricks, der Komposit-Fotografie, schreibt W. Neilson in den "Kunstkritischen Stichworten":
Er argumentiert dann gegen das Retuschieren und endet mit einem schönen Satz und einer sehr realistischen Erkenntnis:
Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen?
Und damit wird es Zeit für neue Themen!
Und damit beginnt auch eine Diskussion, die nicht nur die nächsten Jahrzehnte dominiert, sondern auch heute, nach dem Aufkommen des Digitalen Zeitalters, wieder an Bedeutung gewonnen hat:
Fotografie - Zweck oder Mittel, das Problem der Manipulation und das Problem von Schärfe (pixel peeper!) und Unschärfe (Fotoimpressionisten!).
Spannend, dass die Vetreter der straight photographie (der reinen Fotografie) wie Ansel Adams, Albert Renger-Patsch, Alfred Stieglitz, Paul Strand, Edward Weston u. a. bereits ihre Vorläufer in der Mitte des 19. Jahrhunderts hatten.
So sagt William John Newton auf einer Sitzung der "Photographic Society of London" (er spricht offensichtlich gegen die frühen Vertreter der straight photographie):
"Dabei halte ich es nicht für wünschenswert, dass der Künstler [Fotograf] die Wiedergabe winzigster Details anstrebt. […] Ich tue das um so entschiedener, als in diesem Raum vor kurzem festgestellt wurde, dass Fotografie immer so bleiben soll, wie sie die Kamera hervorgebracht hat, und dass kein Versuch unternommen werden darf, sie mit dem Mitteln der Kunst zu verbessern. Damit stimme ich ganz und gar nicht überein, […]."
Ca. 20 Jahre später, mitten in einer Epoche der ausufernden Retusche, der künstlichen Hintergründe, der technischen Tricks, der Komposit-Fotografie, schreibt W. Neilson in den "Kunstkritischen Stichworten":
"Die Fotografie muss […] ihren eigenen Gesetzen gehorchen. […] Die Fotografie, die so verschieden von den anderen Darstellungsmitteln (der bildenden Kunst) ist, sollte sich selbst treu sein […].
Er argumentiert dann gegen das Retuschieren und endet mit einem schönen Satz und einer sehr realistischen Erkenntnis:
"Die vom Gefallen leben, müssen gefallen, um zu leben."
Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen?
Und damit wird es Zeit für neue Themen!
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