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Dienstag, 31. Juli 2007

A propos… Suchen & Finden

Canon 20D, EF 28-105mm, 3,5-4,5 II USM, 400 ISO, Bl. 8, 1/500sec.
(in der Bildmitte der Stuttgarter Tagblatt-Turm)


Warum heißt der Sucher Sucher?

Warum nicht Einblick, Durchblick, Ausblick?
Oder Guckloch, Visier?

Warum heißt der Sucher auf englisch Finder? Und nicht Searcher, Seeker?
Schauen wir durch den Sucher um zu suchen, durch den Finder um zu finden?

Wo suchen wir, was suchen wir? Und wo finden wir unser Bild?
Warum suchen wir überhaupt? Und wo finden wir, was wir gesucht haben?

Abseits von Jobs in Studio oder “vor Ort” gibt es eine Tätigkeit, die uns, ohne dass wir suchen müssen, finden lässt: das Flanieren.

Ohne die sinnliche Wahrnehmung unserer Umgebung können wir nicht fotografieren.
Unsere Sinne brauchen die Zeit und den Raum.
Zeit und Raum nach unseren Möglichkeiten, nach menschlichen Maßstäben.

Sich treiben lassen in bekannten und unbekannten Gefilden.
Fühlen, riechen, hören, sehen und den Gedanken freien Lauf lassen.
Das geht am Besten beim Schlendern, sich treiben lassen, eben beim Flanieren.

Eindrücke und Gedanken überkreuzen sich, verbinden sich, vermischen sich. Wir sind ein Teil dessen, was uns umgibt.

Und wenn wir nicht mehr fixieren, fokussieren, etwas um seiner Selbst willen suchen, von dem wir nicht einmal wissen, was es überhaupt ist - dann findet uns das Bild von ganz alleine.

Oder auch nicht!

Aber was soll's?
Schön war es trotzdem.

Und morgen ist auch noch ein Tag!

Sonntag, 2. Dezember 2007

Projekt "Sprache der Wand" - ein Nachtrag

Im Nachhinein noch ein Vorschlag zum Projekt:

  • flanieren gehen mit ganz einfacher Kamera (Festbrennweite?)
  • spricht ein gesehenes "Motiv" zu mir?
  • Licht? (erste Entscheidung für Farbe oder Schwarzweiss)
  • Motiv isolieren oder in ein Umfeld stellen?
  • Auswahl: spricht das Bild immer noch zu mir? wo ist sein Potenzial? muss ich nochmal hin?
  • bearbeiten oder "straight" aus der Kamera?
  • Format: hoch/quer/quadratisch
  • Farbe oder S/W?
Abschicken!


Hauswand in der Stuttgarter Reinsburgstrasse

Bei Brassaï würde so ein Motiv unter die Überschrift: "Die Wand als Anregerin" fallen.
"Irgend ein Bild entziffern, herausschälen aus verworrenen unbestimmten Andeutungen."

Serge Poliakoff sagt dazu: "Gemälde an der Wand - gut; aber aufgepasst, dass die Wand selbst nicht schöner ist…!"

Donnerstag, 24. Mai 2007

Was wir brauchen: Fototaschen

Fototaschen, Fotorucksäcke, Systeme mit denen man seine Kameraausrüstung meilenweit tragen kann, kurz all sowas gibt's wie Sand am Meer.

Wir alle haben ein gewissen "Verhältnis" zu diesen "meistunterschätzten" Produktionshilfsmitteln, schauen lüstern in Schaufensterauslagen, neidisch auf Kollegen und in uns nagt unentwegt die Frage: gibt es was besseres als unser altes Geraffel?

Und so sammeln sich in einer Ecke unserer Behausung Tasche um Tasche, Rucksack um Rucksack.

Und ausgerechnet jetzt noch eine dazu?

Ja! rufe ich und schaue über:

  • Dörr BLUE STONE 'BLACK' XXL - da geht alles rein
  • Domke - Canvas kriegt so 'ne schöne Patina
  • Fotima - unscheinbar und praktisch
  • Prat - die schwarzgenarbte kleine Edelledertasche, gibt's die überhaupt noch?
und nicht zuletzt Lowepro:
  • Reporter 400 AW, wenn man nicht zu lange tragen muss
  • SlingShot 200 AW, für die kleine Reiseausrüstung
  • SlingShot 300 AW, wenn man den Inhalt der Reporter 400 länger tragen muss.

Also bitte, noch ein paar Tragehilfen für Blitzanlage etc. pp. berücksichtigt, braucht's da noch was?

Eben ja!

Wenn ich in der Stadt flanieren gehe, mit dem Fahrrad unterwegs bin, mich als "Straßenfotograf" unauffällig bewegen will, dann benutze ich die Kuriertasche Jungle Bag 15 von Jack Wolfskin.



Mit dem Einsatz aus einer anderen Tasche lässt sich darin ein Gehäuse mit Festbrennweite oder kleinem Zoom und noch ein bis zwei kleine Objektive oder Zubehör prima aufräumen.
Dazu noch jede Menge privater Krimskrams in ungezählten Abteilen.
(Ersatzweise geht auch ein 15" Powerbook!)

Das Ganze - je nach Geschmack in Leuchtfarbe oder unauffällig grau-schwarz - als Kuriertasche schräg getragen, gut zugänglich, und mit einem Quergurt für's Fahrrad oder Wandern gut zu fixieren.

Empfehlenswert!


Nachtrag
Weil's so schön passt, "a stolen sentence" von MIKE JOHNSTON aus seinem post mit dem Titel "taxes":
There's gotta be a "camera-bag tax." Who has just one camera bag, and who lets the fact that he already has ten stop him from buying one more? It's like we can't help ourselves. Like every untried camera bag we run across is the green grass on the far side of the fence. If I just had that camera bag....

Thank's Mike!


Freitag, 12. März 2010

Im Vorübergehen / En passant / Passing by

"Ein Mangel an Inhalt ist auf kleinen Formaten nicht darstellbar."

gefunden in Frank Schätzings Limit



Dieser Satz spricht mir aus der Seele!

Ich sehe mich selbst und andere in Galerien im Abstand von 3 oder 4 Metern an den illustren Riesenformaten vorbei"flanieren" und vermisse die kleinen Formate, an die man nahe herantritt und statt über plakative und formalästhetische Leere hinwegzuschauen, mit Freude das "punctum" sucht und vielleicht auch findet.

Montag, 15. November 2010

November ist (k)ein schöner Monat!

Panasonic GF1 mit Lumix G 2.5/14mm

An einem warmen und sonnigen Novembernachmittag mit guten Freunden durch einen schönen Park zu  flanieren, lässt es einem leicht ums Herz werden.
Mit dem Bild tu' ich mir allerdings sehr schwer.

Schon als ich die Szene gesehen habe, haben sich mir ganze Assoziationsketten aufgedrängt: Herbst, Alter (die alte Dame liest mit einer Lupe in ihrem Buch), Licht weicht dem Dunkel, Vergänglichkeit, bedrohliche Schatten etc. pp.
Ich war ganz hoffnungsfroh endlich mein Novemberfoto zu haben.

Als ich dann das Foto auf dem Bildschirm hatte, war ich mir über gar nichts mehr sicher.
Ich habe beschnitten und gephotoshopped (ist ja nicht zu übersehen) und irgendwann mal aufgegeben.

Aber ich habe mir doch ein Herz gefasst, stelle das Bild in dem Blog und ergebe mich meinem Schicksal…

Vielleicht findet sich noch eine andere November-Variante?

Samstag, 27. September 2008

Fundstücke - im promenadologischen Kontext

Wer gelegentlich hier im Blog herumstöbert weiß, dass das Spazierengehen, die Fähigkeit zum Flanieren, zum Herumstromern und -streunen eine wichtige Voraussetzung für das Fotografieren ist.

Der Straßenfotograf muss gleichzeitig Flaneur sein, Promenadologe.
Wie will er anders zu seinen Motiven, seinen Bildern kommen?

Deshalb ist auch der Zugang zur Promenadologie, zur Spaziergangswissenschaft, oder "strollology" wie die Engländer sagen, so wichtig.

Und diesen Zugang finden wir z. B. via Spaceflaneur.

"Der Flaneur, was will er, was sucht er, was tut er da draußen auf den Straßen, durch die es ihn weht?"
diese Frage wird auf neon.de sehr schön und tiefsinnig betrachtet.

"Auf dem Boulevard zu Hause ist der Flaneur, ein Typus, der Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Aufkommen der Boulevards entstand. Für ihn als Voyeur bot der Boulevard den Platz um zu beobachten, genauso wie dieser Ort für alle anderen Spielarten des Flaneurs die passende Umgebung bereithielt: für den Verdächtigen, den Melancholiker, den Süchtigen, den Einsamen, den Einfühlenden, den Unschlüssigen, den Müßiggänger. Er ist der Ausdruck der neuentstandenen Rolle des öffentlichen Zuschauers […]"
schreibt in einer Arbeit über Internet und öffentlichen Raum eine AutorIn, deren/dessen Namen ich beim besten Willen nicht herausfinden kann.

"The born-again flaneur is a stubborn creature, noticing everything …"
lese ich auf flaneur.de

"Fraternal greetings and welcome to The Flâneur, official website of La Société des Flâneurs Sans Frontières"
wird uns hier gewünscht …

… und zu guter Letzt kann man sich auch über diese Seite so seine Gedanken machen, während man - natürlich mit Kamera - am Wochenende in einem promenadologischen Kontext unterwegs ist.

Samstag, 18. Juli 2009

Photo Walk - Jump Style Dancer





Habe mich kurz entschlossen zum Photo Walk Stuttgart aufgemacht.

Es ist schon etwas Besonderes, mit einer Gruppe von mehr oder weniger schwer bewaffneten FotografInnen durch die Innenstadt zu flanieren.
Objektive schwenken hoch und runter, Verschlüsse klacken links und rechts, alle schauen interessiert: was ist bloß los hier?

Aber immerhin, die vielen Kameras lenken ab, die Gruppe gibt Schutz und so gab es einige gute Gelegenheiten zum Fotografieren, für die Straßenfotografie.
(Leider hat's bei mir bis zum Biergarten nicht mehr gereicht - schade!)

Wer Lust hat mit Gleichgesinnten mal in der Gegend rumzuziehen, sollte sich dazugesellen, oder selbst einen Photo Walk organisieren.

Die Bilder folgen so nach und nach …


Montag, 10. September 2007

Verlangen? Lust? Verachtung? - Scheitern!



Das Unbekannte risikieren.



Man muss Verlangen nach Scheitern haben, Lust am Staunen und
Verachtung für die Sicherheit des Bekannten.

frei nach GARRY WINOGRAND

So kann's gehen, so geht's meistens.
Besonders schade um das obere Bild.

Vom nachmittäglichen Flanieren nur ein "gutes" Foto mitgebracht!
Kommt in den nächsten Tagen.


Fotos mit der Canon EOS 20D, Zuiko 2/24, Bl. 8 (vorfokussiert), 1/800, ISO 400

Freitag, 29. März 2013

A Good Friday Walk (with HTC One)

Stuttgart, Marienstraße

Suttgart, Geisstraße


Stuttgart, Josef-Hirn-Platz

Vor einem Termin prüfe ich alle Geräte auf ihre Funktion, schaue nach Akkus und Speicherkarten.
Heute habe ich es nicht getan…

Ich hatte eine EOS RT in der Tasche, ein 28er, ein 40er und zur Sicherheit ein kleines Telezoom, wollte mir ein paar Ecken in der Stadt anschauen, ein bißchen flanieren.

Pfeifendeckel!

Aber ich hatte ein neues Telefon in der Tasche – Voilà!

alle Fotos mit HTC One, bearbeitet. Klicken zum Vergrößern

Samstag, 27. Oktober 2007

Schwarz! Rot! Gold! - Die Herausforderung!

Does every photographer need a project? fragte ich Magnum-Fotografen Martin Parr auf den "Rencontres" in Arles.

Sein Antwort, wie kann es anders sein: Yes!

Eine immer wieder fortgesetzte Serie von "Stars & Stripes"-Fotos in Carl Weese's Working Pictures hat mich auf die Idee gebracht: warum nicht ein Schwarz-Rot-Gold-Projekt?

Aber kein Projekt für mich, sondern ein Projekt für alle, die den Blog besuchen und Lust haben, mal was gemeinsames auszuprobieren.

Den Anfang mache ich heute mit zwei Fotos, beim samstäglichen Flanieren enstanden.

Eure Fotos bitte an thepubliceyeblogATgmail.com - und zwar subito!
Die Fotos werden natürlich mit Copyright-Angabe und - wenn gewünscht - Verlinkung veröffentlicht.

Ich bin gespannt wie ein Flitzbogen und freue mich auf eine Bilderflut!

P.S.: selbstverständlich ist jede! Flagge willkommen.



beide Fotos: Canon EOS 20D, EF 1.8/28mm, fotografiert mit GRÜN, JPEG "straight" aus der Kamera



Wie dichtet Ernst Jandl so hintergründig:

the flag

a fleck
on the flag
let’s putzen

a riss
in the flag
let's nähen
where's the nadel

now
that's getan
let's throw it
werfen


into a dreck


that’s
a zweck

Donnerstag, 29. Mai 2008

A propos de Paris - Henri Cartier-Bresson in Fellbach

Immer noch neugierig - das "Auge des 20. Jahrhunderts" - Henri Cartier-Bresson




Fotografien à propos de Paris:
heute abend war Ausstellungseröffnung in Fellbach.

Erfreulich, wie viele Menschen doch zu solch einem Ereignis kommen - der Sitzungssaal des Fellbacher Rathauses war gut gefüllt.

Die Fotos - teils in der Galerie der Stadt Fellbach, teils im Foyer des Rathauses zu sehen - wurden noch zu Lebzeiten von Henri Cartier-Bresson, der am 22. August 100 Jahre geworden wäre, zu einer Ausstellung zusammengestellt.

Zu sehen sind Bilder eines leidenschaftlichen Flaneurs und seiner großen Liebe zu Paris.

Neben den Straßenfotografien aus Paris, gibt es noch eine Serie mit Portraits berühmter Zeitgenossen von HCB, Zeitschriften mit seinen Reportagen, Bücher, und - wen wunderts - eine Ausstellung mit alten Leicas plus Zubehör.

Zu sehen gibt es in der Ausstellung so bekannte Fotos wie den "Jungen mit den zwei Weinflaschen" oder den berühmten "Sprung über die Pfütze am Gare Saint-Lazare", ein Foto, das geradezu als klassische Illustration für den "decisive moment" dienen könnte.

Aber auch das Plakatmotiv für die Ausstellung ist klug und programmatisch gewählt:
als ob nicht schon das Offensichtliche - der Kuss - ein starkes Motiv wäre, nein, erst der zweite Blick bemerkt den Hund, der überrascht, ja eifersüchtig unter dem Tisch hervorlugt und womöglich das ist, was Roland Barthes als das "punctum" im Bild bezeichnete.

Man sollte also nicht zu schnell an den Bildern Cartier-Bressons vorbeigehen, auch, wenn man meint sie schon zu kennen, sondern ruhig die Augen flanieren lassen, einen zweiten Blick riskieren.

"Mit sparsamen Mitteln und vor allem mit Selbstverleugnung gelangt man zur Natürlichkeit der Darstellung" lernen wir von Henri Cartier-Bresson.

Dass ihn seine Magnum-Kollegen auch als gnadenlosen Kritiker und Bildertyrannen geradezu fürchteten, berichtete Andrea Holzherr, die als Vertreterin von Magnum Photos aus Paris angereist war.

Mit seinem berühmten Satz:
"Fotografieren heißt - gleichzeitig und innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde - die Tatsache selbst und die strenge Organisation der wahrnehmbaren Formen, die ihr Bedeutung geben, zu erkennen.
Das heißt Kopf, Auge und Herz auf die gleiche Linie zu bringen."
hat er die Messlatte für gutes fotografieren für sich selbst, aber auch für seine Kollegen und alle, die die Fotografie ernsthaft betreiben, sehr hoch gelegt.



Wem Mannheim näher ist als Fellbach: "Henri Cartier-Bresson - Early Works", noch bis zum 22. Juni in der Mannheimer Kunsthalle.