Posts für Suchanfrage Barthes werden nach Relevanz sortiert angezeigt. Nach Datum sortieren Alle Posts anzeigen
Posts für Suchanfrage Barthes werden nach Relevanz sortiert angezeigt. Nach Datum sortieren Alle Posts anzeigen

Dienstag, 8. Juni 2021

Il a été ainsi.It was like that. Es ist so gewesen. IST ES SO GEWESEN?


Wir wissen, ein Unwetter hat stattgefunden.

Ein Bild ist eine Konstruktion einer Wirklichkeit. Wir können nicht mehr zwischen Sein und Schein unterscheiden, wenn eine Technologie die eigenen Wahrnehmungen und Empfindungen mit einer Simulation in Einklang bringt. So lässt sich unser Unterscheidungsvermögen für reale und imaginierte Räume und Zeiten täuschen. Es war nicht so, aber es könnte so gewesen sein.

Das Bild vom Gewitter ist eine Montage, das Gewitter war echt.

Roland Barthes schreibt: Le Noema de la PHOTOGRAPHIE est simple, banal, n'a pas de profondeur: « Il a été ainsi. »Roland Barthes , La chambre claire, Éditions de l'Etoile, 1980

Trifft das heute noch zu?

siehe auch Roland Barthes

Sonntag, 15. April 2007

Zum Nachdenken / To reflect on / A réfléchir

Das Noema (Sinn-, Erkenntnisgehalt) der PHOTOGRAPHIE ist schlicht, banal, hat keine Tiefe: "Es ist so gewesen."
Roland Barthes, Die helle Kammer, Suhrkamp 1985
The Noema of the PHOTOGRAPHY is simple, banal, has no depth: “It was like that.”
Roland Barthes
Le Noema de la PHOTOGRAPHIE est simple, banal, n'a pas de profondeur: « Il a été ainsi. »
Roland Barthes , La chambre claire, Éditions de l'Etoile, 1980

Freitag, 18. Mai 2007

Über Fotografie: Potenzial und Plausibilität

Die Lektüre der letzten Zeit so einzudampfen, dass sie auf eine Bildschirmseite passt ist mir leider nicht geglückt.
Ich bin aber auch mit dem Gelesenen nicht immer einverstanden gewesen.

Trotzdem habe ich aber einiges gefunden, das sich “Im Vorübergehen/En passant/Passing by” als Denksatz zitieren lässt, wie z. B. ROLAND BARTHES Satz über den Sinn- und Erkenntnisgehalt der Fotografie: “Es ist so gewesen.”

Die Menge dieser “Denksätze” ergibt auch eine Art Zusammenfassung, eine Essenz des über Fotografie Gedachten.

Aus meiner eigenen Erfahrung und Herangehensweise an die Fotografie haben sich zwei Begriffe herausgebildet, nach denen ich meine, aber auch die Fotografie anderer beurteile: Potenzial und Plausibilität.

Im Potenzial des Bildes vergegenständlicht sich das Können des Fotografen während der Aufnahme. Aber auch die (noch nicht erschlossenen) Möglichkeiten die in einer Fotografie stecken und die häufig erst bei der Durchsicht und Bearbeitung der Fotos erkannt werden können.

Ist das Bild eine Reproduktion oder eine Interpretation? Kann es erzählen? Weckt es Assoziationen? Gefühle?

Die Prüfung auf Plausibilität ist Kontrolle für den Fotografen und ein Werkzeug für den Betrachter: ist das Bild stimmig, nachvollziehbar, einleuchtend? Oder abstrus? konstruiert? beziehungslos? L'art pour l'art?

Z. B. könnte das Portrait eines Buchautors sein Potenzial im Ausdruck der Persönlichkeit haben.
Es verliert aber womöglich jede Plausibilität, wenn der Autor unvermittelt zwischen einem Gebüsch auftaucht. Was hat der Autor dort verloren? Schreibt er Gartenbücher?

Potenzial und Plausibilität müssen nicht unbedingt immer miteinander gehen. Wenn sie es aber tun, haben wir schon eine ganze Menge erreicht.

Fehlt dann eigentlich nur noch eines: ROLAND BARTHES beschreibt es als das “punctum”.

Ein Detail im Bild, vom Fotografen nicht bewusst eingesetzt - vielleicht unbewusst wahrgenommen - das den Betrachter anspringt, ansticht, eine Erschütterung auslöst und das Bild geradezu in das visuelle Gedächtnis zwingt.

Erkennen des Potenzials, anerkennen der Plausibilität, können das Kriterien zur Beurteilung eines Fotos sein?

Mittwoch, 18. April 2007

In eigener Sache …

entschuldigt sich der Blogger mit Hinweis auf seine Arbeit

und

macht Hoffnung, dass die neuerliche Lektüre von Roland Barthes "Die helle Kammer, Bemerkungen zur Photographie" sich womöglich (?) in einem Blogbeitrag niederschlagen könnte.

Zumindest habe ich den Eindruck, dass sich mir die Gedankenwelt Barthes heute mehr erschließt, als vor 20 Jahren
und
dass es ein sehr tiefgründiger Beitrag über das "Lesen" von fotografischen Bildern ist.

Mittwoch, 9. April 2008

Das "sezierte" Bild …

oder
Wirklich nur Schwein gehabt?


Ricoh GRD II, Bl. 3.5, 1/440 sec. 100 ISO


Es war einer dieser Momente, man denkt man sieht was, reißt hektisch die Kamera aus der Tasche, drückt blindlings ab, hat ein Bild.

Die Szene ändert sich, nichts mehr zu machen.

Beim edieren auf dem Bildschirm: ich sehe nichts mehr.
Was war da bloß? Irgendwas war da doch?

Und während ich mich etwas über mich ärgere, schneide ich an dem Bild rum, schaue es mir in S/W an, schneide hoch, schneide quer und schaue und schneide …



… bis ein extremer Ausschnitt übrig bleibt, 800 x 800 Pixel, taugt für nichts mehr, nur für einen kleinen Post im Blog.

Allerdings muss ich mich jetzt fragen (lassen), was war das Potenzial im Bild, dass ich bei der Aufnahme zu sehen meinte?

Etwa dieser Ausschnitt?

Da fällt mir eine Geschichte ein:
Michael Reichmann besucht Bruce Pottinger, Besitzer einer der größten Profi-Fotoläden in Australien.

Im Esszimmer sieht er eine Fotografie an der Wand, sie springt ihn geradezu an, lässt ihn nicht mehr los: Balmoral Mist von David Oliver.

Balmoral Mist, Sydney, Australien 2006 © David Oliver

Michael stellt sich die Frage: was macht eine großartige Fotografie aus?

Er spricht über das Bild, schaut akribisch in die Details, seziert und analysiert, will dem Rätsel und der Faszination auf die Spur kommen.

Ganz gewiss findet sich in diesem Bild das, was Roland Barthes das punctum genannt hat:
Ein Detail im Bild, vom Fotografen nicht bewusst eingesetzt - vielleicht unbewusst wahrgenommen - das den Betrachter anspringt, ansticht, eine Erschütterung auslöst und das Bild geradezu in das visuelle Gedächtnis zwingt.

Aber das Bild erzeugt auch ein starkes Gefühl, wir sehen ein Geheimnis, ein Mysterium, eine nebelverhangene, mythische Landschaft. Wir blicken voll Sehnsucht in eine verlorengegangene Welt.

Das Foto wirkt als ein romantischer Gegenentwurf zu den Bildern, die uns täglich umgeben.

David Oliver sagt zu seinem Bild:
"Ich war auf einem Porträt-Auftrag, als ich die Frau aus dem Wasser kommen sah, um zu duschen.
Wie man sieht, war es sehr nebelig und als ich das Bild machte, war der Typ mit dem Rucksack unsichtbar.
Er wurde erst sichtbar, als ich den Kontrast im Bild anhob.
Ich denke, man kann sagen, es war ein Glückstreffer, ich habe einfach Schwein gehabt!
Ich glaube, ich habe mein Glück unter Kontrolle, weil ich immer eine aufnahmebereite Kamera dabei habe, um bereit zu sein das Glück aufzunehmen."
Und somit hätten wir mal wieder alles rund - tja, das Glück, immer wieder das Glück!

Und Glückssucher sind wir doch alle?

Donnerstag, 1. November 2007

Schein und Wirklichkeit - eine Antwort

Ich finde, den ausführlichen Kommentar von Lars zu "Schein und Wirklichkeit" so interessant, dass er hier als eigener Artikel zu erscheint:

Appearance and reality - an answer

First of all I must admit that unfortunately I have never read the famous text by Barthes that you refer to. But at least in what you quote him for here, I think he’s wrong. It’s simply not meaningful to talk about the noema of photography in such general terms. Modern human beings are used to live in a world filled with inputs and impression from lots of different sources and with different, often conflicting content. Most of us constantly and more or less automatically evaluate these inputs in relation to a number of parameters, such as what is the context, who is the sender, etc. And we attribute different meanings - or noema - to different objects, according to these evaluations.

If we are reading a serious newspaper, and see a photo of hunger in Africa or war in Iraq, most of us expect it to reflect some kind of reality - that what we see has an existence outside the scope of a photo-session. If we see a picture on a billboard of a glamorous person advertising a new beauty product, most of us know it’s a totally different matter.

I’m not saying that press photography is not subjective or that advertising doesn’t work. What I’m saying is that we evaluate photos in relation to genres – and that different genres have different “rules”. Criticizing an art photo for being staged doesn’t make sense – criticizing a press photo for being staged makes very much sense.

What makes cases such as Doisneaus Le baiser and Capas Dead of a loyalist soldier controversial is that they seem to break the rules of the genre – in this case by being staged (Doisneau) or at least being accused of being so (Capa). Sometimes it works the other way around – as when “reality” is used in advertising, such as the use of refuges, AIDS-patients or starving children in Bennetton-campaigns.
What also happens is that a photo which was originally “born” into one context is sometimes transferred into another. Capa’s photo, which was originally "just" a report of a specific incident in the Spanish civil war, evolved into a sort of icon for the fight against Franco and fascism. And in this new context, the question of whether it was staged or not, is in fact of lesser importance. Doisneau’s photo became an icon for the joyful life in postwar Paris – and again, its connotations are no less powerful even now, when we know for sure that it was staged.

I’m not in favor of abandoning any claim to photography about being “real”. When a photographer presents his or her work as belonging to the documentary-genre, it’s only fair to expect that the photo lives up to the conventions of this genre, such as not being staged, manipulated, etc. On the other hand, absolute objectivity does not exist in photography. A photograph always shows a portion of the world, selected by the person who held the camera.

Maybe in the end it is this ambiguity, this inability of the photo to be neither totally objective nor totally subjective, which makes it such a fascinating medium?

Lars K. Christensen

Freitag, 26. Oktober 2007

Schein und Wirklichkeit



Ich stehe auf Sinnsprüche.
Und Sinnsprüche werden hier immer mal wieder zu finden sein!

Zum Beispiel auch der wichtigste Sinnspruch für uns Fotografen:
"Die beste Kamera ist die, die man dabei hat."
Je mehr man über diesen - banalen? - Satz nachdenkt, desto bewusster wird einem die abgrundtiefe Weisheit die dahinter steckt.
(Darauf komme ich mit Sicherheit gelegentlich zurück!)

Mao-Tse-Tung war auch für manchen Spruch gut: " Dem Volke dienen", das klingt nicht schlecht.

Spaßvögel lesen "Dem Volker dienen"! Das würde dem so passen!

Die revolutionären Italiener sagen: "Servire il popolo" und hast Du's nicht gesehen wurde daraus: "Servire il pollo".
Wer mag nicht gerne ein mit Rosmarin und Thymian gebratenes Hühnchen?

Mao sagte auch, der Revolutionär solle im Volke "schwimmen wie ein Fisch im Wasser".
Nach dem "langen Marsch" schwamm er gern im Yangtse.
Allerdings, wenn ich mir dieses Foto"dokument" von 1966 anschaue, habe ich so meinen Zweifel, ob Mao tatsächlich mit den Fischen schwimmt.
Ob sein Kopf (und die der Anderen) einfach nur etwas schlampig aufs unscharfe Foto geklebt wurde?


Roland Barthes, Literaturkritiker, Schriftsteller und Philosoph, schrieb in seinem Buch Die helle Kammer. Bemerkungen zur Fotografie:
"Das Noema (Sinn-, Erkenntnisgehalt) der PHOTOGRAPHIE ist schlicht, banal, hat keine Tiefe: "Es ist so gewesen."
Ist es tatsächlich so gewesen?

Der große Kollege und Straßenfotograf Robert Doisneau, musste ausgerechnet bei seinem bekanntesten Bild "Le baiser de l'Hotel de Ville" eingestehen, dass das Foto kein "candid-shot", kein
Schnappschuss, sondern eine nachgestellte Szene war.

Und wer in seinen Bildbänden blättert, dem fällt auf,
dass er für Kuss-Szenen ein auffallendes Faible hatte. Gab es da noch mehr "staged photography"?


Oder erinnern wir uns an das berühmte Foto des Magnum-Mitbegründers Robert Capa: "Dead of a loyalist soldier".

Dieses Foto war und ist der Auslöser für heiße Debatten darüber, ob es nun gestellt war oder "echt" ist.

Tatsache ist, ob gestellt oder nicht, dieses Foto war im Spanischen Bürgerkrieg von großer Bedeutung für den Kampf gegen die Faschisten.

Und gehört heute, wie Doisneau's Foto auch, zu den Bild-Ikonen unseres Jahrhunderts.


Erwarten wir wirklich von der Fotografie, dass sie uns ein objektives, unverfälschtes, naturgetreues Abbild von der Wirklichkeit liefert?

Vergessen wir nicht einfach, eine ganz wichtige Frage zu stellen?

Eine Frage, die Kurt Tucholsky 1930 (unter seinem Pseudonym Peter Phanter in seinem Aufsatz "Neues Licht") knapp und treffend formuliert hat:
"Wer fotografiert?"
Und hinter dieser Frage steht eine ganze Reihe weiterer W-Fragen, die wir uns beim Betrachten von Fotos stellen sollten.

Vielleicht öffnet uns ein nachdenklicher Blick auf ein Bild von René Magritte die Augen.
"Dies ist keine Pfeife!"

„Ein Bild ist nicht zu verwechseln mit einer Sache, die man berühren kann. Können Sie meine Pfeife stopfen? Natürlich nicht! Sie ist nur eine Darstellung. Hätte ich auf mein Bild geschrieben, dies ist eine Pfeife, so hätte ich gelogen. Das Abbild einer Marmeladenschnitte ist ganz gewiss nichts Essbares."

Gilt das nur für die Malerei?

Und ist unser Auge das passende Werkzeug, ist das Sehen der richtige Sinn, um Schein und Wirklichkeit auseinanderzuhalten?

"Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."
schrieb Antoine de Saint-Exupéry hellsichtig.

Sollen wir - Liebhaber der Fotografie - unseren Gefühlen mehr trauen, als unseren Augen?

Riskieren wir einen frischen, unverstellten Blick auf die Wirklichkeit mit Gefühl und Verstand!


Ein schönes Wochenende mit Zeit zum Sehen, Fühlen, Fotografieren und Denken.


Thanks to Lars K. Christensen for an inspiring exchange of ideas.

Donnerstag, 29. Mai 2008

A propos de Paris - Henri Cartier-Bresson in Fellbach

Immer noch neugierig - das "Auge des 20. Jahrhunderts" - Henri Cartier-Bresson




Fotografien à propos de Paris:
heute abend war Ausstellungseröffnung in Fellbach.

Erfreulich, wie viele Menschen doch zu solch einem Ereignis kommen - der Sitzungssaal des Fellbacher Rathauses war gut gefüllt.

Die Fotos - teils in der Galerie der Stadt Fellbach, teils im Foyer des Rathauses zu sehen - wurden noch zu Lebzeiten von Henri Cartier-Bresson, der am 22. August 100 Jahre geworden wäre, zu einer Ausstellung zusammengestellt.

Zu sehen sind Bilder eines leidenschaftlichen Flaneurs und seiner großen Liebe zu Paris.

Neben den Straßenfotografien aus Paris, gibt es noch eine Serie mit Portraits berühmter Zeitgenossen von HCB, Zeitschriften mit seinen Reportagen, Bücher, und - wen wunderts - eine Ausstellung mit alten Leicas plus Zubehör.

Zu sehen gibt es in der Ausstellung so bekannte Fotos wie den "Jungen mit den zwei Weinflaschen" oder den berühmten "Sprung über die Pfütze am Gare Saint-Lazare", ein Foto, das geradezu als klassische Illustration für den "decisive moment" dienen könnte.

Aber auch das Plakatmotiv für die Ausstellung ist klug und programmatisch gewählt:
als ob nicht schon das Offensichtliche - der Kuss - ein starkes Motiv wäre, nein, erst der zweite Blick bemerkt den Hund, der überrascht, ja eifersüchtig unter dem Tisch hervorlugt und womöglich das ist, was Roland Barthes als das "punctum" im Bild bezeichnete.

Man sollte also nicht zu schnell an den Bildern Cartier-Bressons vorbeigehen, auch, wenn man meint sie schon zu kennen, sondern ruhig die Augen flanieren lassen, einen zweiten Blick riskieren.

"Mit sparsamen Mitteln und vor allem mit Selbstverleugnung gelangt man zur Natürlichkeit der Darstellung" lernen wir von Henri Cartier-Bresson.

Dass ihn seine Magnum-Kollegen auch als gnadenlosen Kritiker und Bildertyrannen geradezu fürchteten, berichtete Andrea Holzherr, die als Vertreterin von Magnum Photos aus Paris angereist war.

Mit seinem berühmten Satz:
"Fotografieren heißt - gleichzeitig und innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde - die Tatsache selbst und die strenge Organisation der wahrnehmbaren Formen, die ihr Bedeutung geben, zu erkennen.
Das heißt Kopf, Auge und Herz auf die gleiche Linie zu bringen."
hat er die Messlatte für gutes fotografieren für sich selbst, aber auch für seine Kollegen und alle, die die Fotografie ernsthaft betreiben, sehr hoch gelegt.



Wem Mannheim näher ist als Fellbach: "Henri Cartier-Bresson - Early Works", noch bis zum 22. Juni in der Mannheimer Kunsthalle.